Archiv für Juli 2009

Superstau!

Den Megastau, wo so rein gar nichts mehr geht, gibt es nur im Film?
Denkste! Tatort A10, ab Ludwigsfelde-Ost. Bei 19km haben wir aufgehört mitzuzählen.
Und den „weisen“ Spruch „Stau ist nur hinten scheiße“ kann man sich getrost in die Haare schmieren. Handgezähltes 30tes Auto vor dem Totalstopp. Um ganze 2 Minuten zu spät, um am Unfallort vorbeizufahren und das knappe 30km vor dem eigentlichen Ziel.
Ich fühlte mich zeitweise schon sehr an den Filmklassiker aus `91 erinnert. Kein Film, sondern Realität:
- Ein Hochzeitspaar, dass mit seinem Wagen, einem der 6 anrückenden Feuerwehrfahrzeuge folgt um pünktlich zur Trauung zu kommen
- Ein Hobbybastler der die gesperrte Autobahn kurzerhand zur Teststrecke für sein ferngesteuertes Auto umfunktionert
- Sich im Tiefschlaf befindene Engländer im Auto nebenan, die sich selbst durch Hupen kaum aus den Träumen reißen lassen
- Horden von polnischen Gastarbeitern, die sich als kibice in Höchstform entpuppen
- Freundliche Schweizer, denen man die Umweltplakette als Mautvignette verkaufen kann
- Nervöse Familienväter, die eine Abfahrt vor dem Flughafen Schönefeld ihren Jahresurlaub davonfliegen sehen und deswegen entnervt probieren die Vollsperrung zu durchbrechen?

Wir ließen uns durch die Negativmeldungen aus fachkundigen Kreisen via Handy nicht entmutigen, schrieben den Kick 2-3x schon ab, nahmen ihn dann wieder ins Programm auf usw.
Kurzum: Der teilweise sintflutartige Dauerregen der letzten Stunden hatte einen Unfall zweier LKW zur Folge, leider auch mit Todesfolge für einen der Fahrer, was die langwierige Prozedur erklärt. Zum Führerhaus eines der LKW fehlten einem die Worte. Es war quasi nicht mehr existent.
Nachdem unzählige Unfallhelfer durch die Gasse angerückt waren, konnte nach knapp 3 Stunden Stillstand wenigstens eine Spur freigegeben haben.
Weiter ging es in der Berliner Osten. Hier natürlich auch mit entsprechenden baulichen Maßnahmen, so dass man auf die Hilfe des Navi verzichten musste. Wir erreichten die „Alte Försterei“ äußerst knapp, zahlten € 2,50, welches zum Parken auf einem stillgelegten Tennisplatz berechtigte in Kombination mit dem Regen kann man sich ausmalen, wie Hose, Schuhe und Fahrzeug aussahen. Schnellen Schrittes ging es zum Gästebereich und von weitem konnten wir bereits vernehmen, dass sich der Beginn um eine knappe 1/2 Stunde verzögert hatte, sodass wir tatsächlich zum Anpfiff im Block standen. Unglaublich!
Das eine oder andere bekannte Gesicht wurde erspäht, die Sek SV weilte zwangsweise vor den Stadiontoren und 2 brandenburgische Hansel gaben als „Vorsänger“ eher eine amüsante als ernstzunehmende Vorstellung ab.
Überhaupt bestand der Block zu geschätzten zwei Dritteln aus Umland-Schalkern – das bekannte Bild im Osten.
Es herrschte bei mir ein wenig Unklarheit inwieweit eine, seit Pokalfinale 2001, immer öfter propagierte Fanfreundschaft von allen Teilen der Fans getragen würde, aber der ein oder andere Schalker auf der Gegengerade oder vor dem Stadion ließ eher darauf deuten, dass dies doch nicht nur ein Hirngespinst einiger weniger ist. Naja…

Die neue „Alte Försterei“ beeindruckt. Das hat wirklich das Prädikat „Schmuckkästchen“ verdient. Und zudem zum größten Teil aus Fanhand erbaut. Unglaublich was hier geleistet wurde. Rot-weiße Farbe satt und akustisch 1a; dazu ein überragend großer, freizügiger Gästeblock mit Podest.
Das Stadion besteht zu 75% aus Stehplätzen und das wirkt sich gleich positiv auf die Atmosphäre aus. Die letzte verbleibende Sitzplatztribüne fällt natürlich enorm ab, gerade im Kontrast zu den 3 neuen Tribünenteilen.
Der perfekte Mix aus Bewahren von Tradition und Moderne. Da nimmt man Lappalien wie organisatorische Schwierigkeiten bei der kulinarischen Versorgung doch gern in Kauf.

Supporttechnisch ließen die Hausherren ab und an andeuten, zu was sie im Stande sind, wenn es hier richtig rund geht. Die aktive Fanszene um das Syndikat, TSK und Co. trat offiziell allerdings nicht in Erscheinung, wie noch zum Spiel gegen die Hertha oder Babelsberg 03.
„FC Union – Unsere Liebe – Unsere Mannschaft, unser Stolz – Unser Verein – Union Berlin!!!“ [Gänsehautfaktor 10 – immer wieder genial]
Auf Schalker Seite blieb es auch bei 2-3 akustischen Verlautbarungen. Aber heut wäre da auch nicht viel drin gewesen, aufgrund des unbekannten Liedguts für den Großteil der anwesenden Schalker.
Der Regen hatte pünktlich mit Spielbeginn auch die Wuhlheide erreicht und nach 2 Minuten musste der S04 bereits einem Rückstand hinterherlaufen. Der Ausgleich gelang Sanchez erst in Halbzeit 2, mit anschließender erneuter Führung und zugleich Siegtreffer der Hausherren. Der FCU war motiviert, während der S04 seine Reihe an durchwachsenen Testspiel-Auftritten fortsetzte. Alles kein Grund zur Beunruhigung.
Positiv ist noch zu vermerken, dass das Spiel nicht, wie bedürchtet, zu einer Selbstbeweihräucherung unseres Sponsors verkam, sondern dieser sich lediglich auf Präsenz bei den Werbebanden beschränkte.
Nach Spielende machten wir einen kurzen Abstecher in die Altstadt Köpenicks, die einen schönen, gemütlichen Eindruck hinterließ. Der Hinfahrtstau war übrigens noch existent, immerhin konnte zwischenzeitlich eine zweite Fahrspur freigegeben werden.
Wir füllten unsere Mägen und ließen den Tag in entspannter Atmosphäre am Rande des Wannsee ausklingen, garniert mit schönstem Wetter und einem Sonnenuntergang der keine Wünsche offen ließ!
Das 20 Jahre Fanta4-Live-Konzert sowie „Stadtaffe“ [Anspieltipp!] aus dem Hause Peter Fox lieferten den passenden Soundtrack.
Dank geht an meinen Reisebegleiter, der mit fachkundigen Hinweisen meinen „Hauptstadt-Horizont“ immer wieder erweitern konnte und sich das Berliner Kindl schmecken ließ.

U.N.V.E.U.

Fakten:
25.07.09 FC Union Berlin e.V. – FC Schalke 04 e.V. 2:1
Eintrittspreis: 10 € (ermäßigt)
kulinarisch top: Berliner Boulette (2€)
Willi-Betz-Spiel: 0:0
Zuschauer/Gästefans: 13.509 / ca. 2000

Remscheid bittet zum Tanz

Recht kurzfristig wurde zum 100jährigen Bestehen des FC Remscheid der FC Schalke 04 als Testspielgegner organisiert.
Der wirtschaftlich angeschlagene Verein dümpelt mittlerweile in den Niederungen der 6. Liga herum, hatte er noch gar nicht mal vor allzu langer Zeit -Anfang der 90er- sogar noch ein Zweitliga-Gastspiel.
Der Eintrittspreis von 9€ diente hauptsächlich zur Sanierung des Clubs. Das ermäßigte Ticket kostete im übrigen 7€, bestand allerdings auch nur aus einem Abrissbon – im Gegensatz zu der formschönen Vollzahlerkarte, sodass ich mich für letztere Variante entschied.

Es fanden sich aus dem LCH-Dunstkreis erstaunlich viele Gesichter ein und bei trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen wurde die Zeit recht kurzweilig gestaltet. Kulinarisch: eine glatte 5! Das war nichts, so dass ich dankend auf den Astra-Pappbecher Cola nebst Presswurst verzichtete.
Das Wilhelm-Röntgen-Stadion schneidet da weitaus besser ab und weiß wirklich zu gefallen.
Die beiden Hintertortribünen haben „Gesicht“, und die „VIP“-Plätze hinter dem Stadion auf der Treppe des amerikanischen Fast-Food-Anbieters haben ihren „eigenen Charme“.

Altintop ließ mit 4 Toren in Halbzeit 1 keine Zweifel aufkommen, wer hier Herr im Hause ist, was entsprechend durch das überwiegend königsblaue Publikum gewürdigt wurde. Zum großen Erstauen aller durfte Albert S. sogar von Anfang an die Fußballschuhe schnüren und das obwohl er in der Woche nicht mal am gemeinsamen Mannschaftstraining teilgenommen hatte.
Während des Spiel entrollte ein Solinger Spaßvogel auf der Tribüne gegenüber der „Szene RS“ seine Solingen-Fahne, was im eine Leibesvisitation durch Team Green verschaffte, und beim Rest für Erheiterung sorgte. Ich glaube, beide Vereine mögen sich nicht sonderlich unmd scheinen im November auch gegeneinander anzutreten, wie man vernehmen konnte.
Die Szene RS ließ sich nicht lumpen und hatte ihr ganzes Tifo-Material herausgekramt. Alles in allem aber ein mieser Abklatsch des altbekannten Buli-Singsang. Der ein oder andere wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit samstags einem Buliverein aus dem Westen widmen und den FCR als „Zweitverein“ ansehen.
Nachdem der Großteil unserer aktiven Fanszene bereits die Heimweg angetreten hatte, schien RS nochmal zur Höchstform aufzulaufen. Sachen gibt’s.
Mit Schlusspfiff wurde noch zum Jubiläums-Tanz geladen. Schraube ließ sich nicht zweimal bitten und legte eine flotte Sohle aufs Parkett. So ist er halt :-)
Es trennten sich die Wege der LCH&Friends, die ihre respektable Serie fortsetzten, was Testspiel-Präsenz betrifft.

Fakten:
22.07.09 FC Remscheid e.V. – FC Schalke 04 e.V. 0:7
Eintrittspreis: 9 €
LCH & friends: 7x
kulinarisch top: Cola-Ausschank in stilunechten Astra-Pappbechern
Zuschauer/Gästefans: ca. 5500 / ca. 25x „Szene RS“

Der in Meppen war…

In keiner der Geschichten aus den „glorreichen“ Zweitliga Jahren Anfang der 90er, denen ich -noch heute- gerne lausche, durfte und darf „Meppen“ fehlen. Das ist legendär. Der große FC Schalke 04 auf Tingeltour über die Provinzen, diese verkörpert in Form des SV Meppen 1912 e.V.
Höchste Zeit also sich mal selbst ein Bild vom Emslandstadion zu machen – so bot sich der Testkick gegen unsere Freunde aus Enschede vom FC Twente förmlich an.
Nach Meppen ist es wirklich ein endloser Schleif zu fahren. Einige Bundesstraßen sind unvermeidbar, und es muss schon Einiges passieren, damit ich hier noch mal herkomme.
Auf der Autobahn Scharen von holländischen Kennzeichen, für die das Spiel ein Katzensprung über die Grenze war und so recht großen Zuspruch fand.
Während die Arbeitsklamotten noch am Auto in etwas bequemere Variante getauscht wurden, blitzen schon Bengalen in den sonnendurchfluteten Abendhimmel. Ersteindruck vom „Tukker-Clan“ aus Enschede also sehr gut. Ebenfalls Pluspunkte sammelten die Jungs, als sie dem örtlichen Bauern aus dem Graben halfen, der aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens eine Abkürzung wählte und promt in einem Graben feststeckte, mit Hinterrädern in der Luft.
Rein ins Stadion für passable 8 Euro, dafür aber eine Karte im XXL-Format. Hier bekommt man noch was für sein Geld geboten.
Die ersten bekannten Gesichter konnten erblickt werden und der kulinarische Stadiontest beginnen. Serviert wurden: schmackhafte Hausmacher-Frikadellen der örtlichen Metzgerei an frittierten Kartoffelstreifen.
Extra fürs Spiel waren sogar der mobile Twente-Shop und das bekannte S04-Pendant angereist. Selbstverständlich freundschaftlich Seit‘ an Seit‘. Gut, Anreise ist auch nicht die längste, schließlich dürfte das S04-Mobil derzeit mit im Trainingslager im nahegelegenen Herzlake weilen.
Der holländische Haufen hatte sich im offiziellen Gästeblock positioniert, ich tat dem gleich und konnte so den sporadischen Supportaktivitäten der Twentejungs lauschen, mit dem bekannten Liedgut. Für ein Testspiel sicherlich respektabel.
Rund um den Gästeblock freundschaftliche Plauderei und gemeinschaftlicher Getränkekonsum.
Recht sinnlos: die hohe Anzahl an „Freunden und Helfern“ bei einer Begegnung, bei der die jeweiligen Fangruppen auf eine ca. 15jährige Freundschaft zurückblicken, seinerzeit initiiert durch die FCT-Kat. C und die Jungs der GS.

Ich fand in meinem Stehplatznachbarn einen netten holländischen Gesprächspartner, der mir die Thematik um „Judas Rutten“ näher erläutern konnte, und so sich die Zeit recht kurzweilig gestaltete.
Das Spiel plätscherte so vor sich hin, in der Halbzeit die obligatorischen Testkick-Wechselspiele und gegen Ende noch die Einwechslung von Holtby. Mittags unterschreiben – abends kicken. So muss das auch sein.
Das weite Rund (und hier ist es das auch noch) macht einen guten Eindruck. Eine neue, große Tribüne steht einem älteren, kleinen Modell gegenüber. Bei Letzterer befinden sich vorgelagert noch Stufen mit Stehplätzen. Diese sind auch in den beiden Kurven zu finden. Ein Wechsel ist problemlos möglich.
Eine kurze Pyro-Einlage der Gäste noch abgewartet, verließ ich pünktlich das Szenario um die 3-stündige Heimfahrt anzutreten, diesmal mit leicht abgeänderter Route querbeet durch OWL. Rückkehr 0:30h.
Fazit: Schöner Sommerband, aber Meppen? Nochmal, nur in Liga 2 !

Fakten:
07.07.09 FC Twente Enschede – FC Schalke 04 e.V. 0:0
Eintrittspreis: 8 € (ermäßigt)
kulinarisch top: Hausmacher-Frikadelle (€ 1,50) Wartezeit: keine
Zuschauer/Gästefans: ca. 7300 / ca. 2500

Summer of Resistance