Archiv für Mai 2013

oldschool Auestadion

Die meisten Leser kennen Salsiccia entweder von der .pdf-Variante oder vom 2.0-online Ableger.

Man spricht ja gerne von den oft zitierten „Kinderschuhen“ in denen ganze Gruppen oder Magazine steckten.
Das trifft auch auf Salsiccia zu. Hier ein Einblick in die „Spiele-Kladde“ und dem Bericht zum Spiel der 32. Runde der Oberliga Hessen in der Saison 1990/1991:

04.05.1991 KSV Hessen Kassel – SC Viktoria Griesheim 5:0 (4:0)

Viel Erfolg, KSV Hessen Kassel, in der Relegation zur 3. Liga.

Parallelwelten in Leipzig

„Lok ist die Stadt und Chemie sind die Gassen – Red Bull wird nie zu Leipzig passen“
Zumindest erster Teil war mal Bestandteil einer Choreo und auch mit dem RB-Zusatz passender denn je.

Eigentlich kann man überhaupt nicht von einem Stadtderby sprechen wenn Lok gegen die ehemaligen SSV Markranstädter spielt. Ich denke, diesen Titel dürfte allein das Duell Lok vs. Chemie verdient haben.
Sowohl sportlich in der einen Richtung, als auch fantechnisch in der anderen Richtung trennen beide Vereine Welten.
In einem kurzweiligen Duell knöpfte der 1. FC Lok dem haushohen Favoriten und als Meister RB Leipzig ein torloses Unentschieden ab – ein wichtiger Punkt im Kampf um den Klassenerhalt. 25 Minuten spielte Lok sogar in Unterzahl.

Erschreckend wieviele Leipziger in den Farben und mit den Logos von RB unterwegs waren und vollkommen unkritisch den roten Bullen folgen. Ein paar Zaunfahnen hier, eine Choreo da und schon wird der Schein einer Fankurve erzeugt – in wenigen Jahren aus dem Boden gestampft. Die blau-gelben Lok-Fans deutlich in der Unterzahl; die Fantrennung erfolgte diagonal, sprich jedem Verein wurde eine Hintertor- und Längsseite zugeteilt.

Auf beiden Seiten Choreos zu Spielbeginn. Akustisch sicherlich Vorteile bei LOK, wenngleich die Kreatitvität beim Liedgut bei beiden eher unterirdisch war. Den Vogel schossen aber die Spruchbänder auf RB Seite ab. Inhaltlich erbärmlich. Ich kann wirklich nur hoffen, dass die Dinger von RB Mitarbeitern gefertigt wurden, genau wie die Länderflaggen vor dem Block. [update: Die Länderfahnen im Stadion bei RB fertigt ein Rentner an, für alle Länder aus denen Spieler da sind lt. Sport im Osten im MDR. Danke Stefan]. Auch bei den Doppelhaltern hatte ich irgendwie das Gefühl, dass diese nicht aus Fanhand stammen können, einfach aufgrund der lächerlichen Inhalte.
Lok präsentierte zwei Zaunfahnen und vernichtete diese anschließend.

Im Nachgang sorgte das -im Stadion nicht Unübliche- und von Lokseite aus dem Sektor D geschmetterte „Wenn wir wollen, schlagen wir Euch tot“ für hohe Wellen. Es folgte das bekannte Enschuldigungs-Blabla und es war von einer „Gruppe von 30 bis 50 Anhängern, die tatsächlich die Zeile gesungen hat“ die Rede. hehe…

Als Fazit bleibt ein durchaus schickes Stadion -gerade vor dem Hintergrund, dass die Auf- und Abgänge auf den Tribünenteilen des alten Stadions gebaut wurden – eine noch schönere Stadt Leipzig, wo man gut und gerne ein paar Tage verweilen kann.
RB Leipzig braucht kein Mensch, viele Leipziger scheinen das leider anders zu sehen und gieren nach dem Erfolg und den großen Namen im Fußballgeschäft. Man kann die 3. Liga nur bemitleiden, sollte RB den erwarteten Aufstieg schaffen.


Lok-Choreo aus gold-silbernen Rettungsdecken


unterirdisch: „Tradition muss man sich erstmal leisten können“


Choreo Lok


Choreo RBL


Was sind das für miese Doppelhalter?


Fahnenpräsentation I


Fahnenpräsentation II


Fahnenpräsentation III


„Ihr habt unser Banner – wir eure Fans“


„Trompeter statt Blogger“


„Keine Lobby für Lok. Qualität hat ihren Preis. Danke für die 120 Jahre – wir schreiben die Geschichte nun weiter.“


„Nicht jeder Energy-Drink verleiht Flügel“


Kam nicht zum Einsatz.

Fakten:
08.05.2013 // 18.30h // RB Leipzig – 1. FC Lokomotive Leipzig 0-0
Stadion: Zentralstadion, Leipzig
Wettbewerb: Regionalliga Nordost 2012/13
Zuschauer: 20.348
Eintrittskarte: 10 €, Sitzplatz Haupttribüne
Culinaria: Fehlanzeige

Zwischen Felswand und Adria: Flutlichtspiel im „Kantrida“

Als Highlight dieser Tour wurde das Gastspiel von Dinamo Zagreb in der Kvarner Buch bei HNK Rijeka („Fluss“ // italienisch: Fiume, slowenisch: Reka, deutsch: St. Veit am Flaum, ungarisch: Szentvit) auserkoren.
Passend dazu zelebriert die Ultrasgruppe „Armada“ am 9. Mai ihren Geburtstag. In diesem Jahr ihren 26., und nutzt entsprechend das nächstgelegene Heimspiel für größere Tifoaktionen, sodass die Hoffnung auf ein beeindruckendes Tifo entsprechend groß war.

Rijeka liegt langgestreckt an der Küste und bietet vor allem von Opatija aus einen reizvollen Anblick, obwohl das Stadtbild von einigen hohen Plattenbauten aus der Ära Titos dominiert wird.
Das Stadion in Kantrida, dem gleichnamigen Stadtteil von Rijeka gehört eigentlich nicht zu den spektakulärsten Europas – wenn man die Lage außer Acht lässt, denn diese ist fantastisch. Es wurde 1912 -aus Platzgründen- in einen ehemaligen Steinbruch gebaut. Auf der einen Seite eine 50m hohe Felswand, auf der anderen Seite Adria-Strand & Meer. An der Kante des Steinfelsens versammeln sich so auch viele Zaungäste um die Spiele zu sehen. Die Flutlichtmasten sind im steilen Fels verankert. 10.600 Zuschauer finden hier offiziell Platz.
Einst betrug das Fassungsvermögen des Stadions 25.000 Zuschauer, doch durch UEFA-Sicherheitsregelungen wurde die Kapazität vor einigen Jahren auf die heute gültigen 10.600 herabgesetzt.
Es ist ein kompletter Allseater, wovon nur ein Teil der Haupttribüne überdacht ist.

Rijeka gilt als einer der größten Konkurrenten der beiden großen Clubs Hajduk Split und Serienmeister Dinamo Zagreb. Das Duell auf den Rängen klingt ebenso verheißungsvoll. Die Armada Rijeka 1987 in der Westkurve und den berühmt berüchtigten Bad Blue Boys im Gästeblock gegenüber. Zum Intro gab es keinerlei Tifo, aufgrund des am Vortag verstorbenen Armada-Mitglieds Marko Simon-Paden.
Die Presse vor dem Spiel beschäftigte sich zwar auch mit dem Spitzenspiel der kroatischen Liga, jedoch beherrschte ein anderes Thema die Gazetten: Der plötzliche Tod des 32-jährigen ehemaligen kroatischen Nationalkeepers Ivan Turina, erst 2010 von Dinamo zu AIK Solna nach Schweden gewechselt.

Tagsüber erkundeten wir die Innenstadt, die bei uns jedoch keine Begeisterungsstürme auslöste. Nicht besonders schick, nicht mal der Industriehafen lädt zum längeren Verweilen ein. Als kulinarischen Tipp sei das „Gardens“ empfohlen. Dort gab es lokale Spezialitäten zu passablen Preisen (Adresse: Riva 6) und es war an diesem Sonntagnachmittag recht viel Betrieb.

Frühzeitig in Stadionnähe geparkt, was sich als ein nicht ganz so leichtes Unterfangen herausstellt, aufgrund der steilen, engen Gassen. Wir wählten für ein paar Kuna das nahe gelegene Parkhaus.
In der Westkurve der Armada herrschte schon weit vor Spielbeginn großer Betrieb und die Jungs waren mit Choreovorbereitungen beschäftigt und brachten das Material aus ihren Räumlichkeiten hinter der Kurve hervor. Alles recht entspannt.
Teilweise wurden die Choreo-Papptafeln erst kurz vor Anpfiff auf den hellblauen Sitzen ausgelegt.
Obwohl es das Topspiel ist, war die Partie erwartungsgemäß nicht ausverkauft, sodass man ohne Weiteres Karten an der Tageskassen kaufen konnte. Das Stadion war dennoch sehr gut gefüllt und es zeigen sich keine erkennbaren Lücken.

Wir wollten an der Hauptstraße oberhalb des Felsens noch die Ankunft des Dinamo-Buskonvois abwarten, ehe wir mit einem kurzen Abstecher beim Fanshop, das Stadion betraten. Wie in den südlicheren Gefilden nicht unüblich, ist der offizielle Fanshop von HNK Rijeka voll mit Produkten aus der Kollektion der Armada Rijeka 87. Diese überwiegen deutlich im Sortiment gegenüber den Vereinsartikeln. Teils recht schicke Designs aus der Feder der Armada-Sektion „Stylists“. So sieht man auch Jung und Alt mit entsprechenden Shirts und Sweater herumlaufen – komplett generationenübergreifend. Hierzulande sicher eher die Ausnahme als die Regel.

Das Einsingen hatte schon was; über die umherziehende Blaskapelle kann man sicher geteilter Meinung sein; dem Großteil im Stadion gefiel es und sang kräftig mit. Im Vorfeld wurden zudem Videosequenzen der Vergangenheit eingeblendet, wo sich ein Tor nach dem anderen mit Bildern von satten Pyroshows abwechselte. Wird eben locker gehandhabt hier, so soll es sein.
Zum Intro gab es eine Schweigeminute für das verstorbene Armada-Mitglied. Die Armada kümmert sich auch um den Getränkeverkauf im Stadion und in den Verkaufsständen waren überall Teelichter und Kerzen sowie ein Foto des Verstorbenen zu sehen.
Die BBB respektierten die Stille.
Bereits in der 3. Minute war damit schon Schluss und es wurden aus dem Gästeblock Hasstiraden („Mamiću, Cigane, odlazi iz svetinje!“) Richtung Heimkurve geschmettert, die zumindest bei den um uns herum sitzenden Heimfans zu Entrüstung führten. Dieses Spektakel wiederholte sich dann passend zur 87. Minute nochmal.

In der 26. Minute zeigte die Armada dann ihre Choreo anlässlich ihres 26. Geburtstages. Die komplette Kurve zog mit und hielt minutenlang diszipliniert die Pappen und Überziehfahnen hoch. Das Spruchband vor der Kurve: „Sve što nas čini takvima već 26 godina….“ , dazu 4 Überziehfahnen mit den Ziffern der Jahreszahl 1-9-8-7, umrandet von weißen und blauen Pappen. Sah schon schick aus, wenngleich die baulichen Voraussetzungen (zu flach) nicht ideal sind. Die Haupttribüne würdigte den Geburtstag mit Applaus Richtung Kurve. Unter einer Ziffer stieg im Nachgang schöner, satter, blauer Rauch empor, was durch Felswand und Flutlicht richtig schick aussah. Gestört, ob auf dem Feld oder Tribüne, hat es im Übrigen niemand.

Ansonsten war der (Dauer-)Support wirklich gut – beide Seiten nahmen sich nichts. Die Heimkurve nur mit minimalen Lücken, die nicht mitzogen. Die Gesänge schön laut, andere nennen es vielleicht „brachial“, dafür eher weniger melodische Gesänge/Lieder.
Die Armada liebt die Zahlensymbolik (26 / 87 / 60). Das mag für den Außenstehenden komisch sein, ich finde diese Tradition schon fast wieder witzig, trotz des Durchorganisierten blieben immer noch genügend Überraschungsmomente.
Das Bild der Heimkurve, was ich bis dato nur von Bildern kannte, wirkt live nochmal um einiges beeindruckender. Als nach der Choreo alle Zaunfahnen zum Vorschein kamen, ergab dies ein imposantes Kurvenbild. Handgezählte 46 Szene-Fahnen schmückten den Zaun. Die aktuelle, recht kleine, Hauptfahne der Armada hing über der historischen XXL-Variante. Drumherum viele Sektionsfahnen, die beiden Wikingerboote als Symbole der Armada und die Jahreszahl 1987. Nicht verschweigen muss man natürlich die politischen Tendenzen in der Fanszene in Rijeka: Auch das ein oder andere Keltenkreuz war dabei.

In der 60. Minute beginnt eine rund 10-minütige Dauerpyroshow der Armada. Warum, wieso, weshalb die Armada immer in der 60. Minute anfängt zu zünden, weiß sie wohl selbst nicht mehr so genau, führt diese Tradition aber von Generation zu Generation fort.
Rauchtöpfe, Fackeln, Breslauer, LaBombas…. alles dabei was die Pyrokiste so hergibt und ließ kaum Wünsche offen. Die ein oder andere Fackel flog dabei auch auf das Spielfeld bzw. auf die Laufbahn vor dem Block.

Im Gästeblock wurde die Zaunfahne der Gruppe 90 Minuten lang hochgehalten. Vorne am Zaun hingen kleinere Fahnen aus Zagreb und einigen Sektionen. Rund 600 Gäste zogen bei einer fast 100%igen Mitmachquote, gut mit. Dem Wunsch der BBB auf mehr Tickets wurde im Vorfeld nicht entsprochen. Mitte der 2. Halbzeit wurde die Zaunfahne der BBB durch eine rot-weiße mit der Aufschrift „Bljesak“ überhangen und kroatische Landesflaggen geschwenkt.
Der Hintergrund dieser Aktion dürfte auf 1995 zurückgehen. Die „Operacija Bljesak“ („Militäroperation Blitz“ war eine militärische Gegenoffensive im Kroatienkrieg am 1. und 2. Mai 1995, bei der die kroatische Polizei und die Kroatische Armee innerhalb von etwa 31 Stunden 500 Quadratkilometer der seit 1992 von serbischen Truppen besetzten Teile Westslawoniens (einer Region in Zentral-Kroatien) zurückeroberten).

Im Stadion erinnert auch ein Denkmal, insbesondere an die Armada-Mitglieder, die während des Kroatienkrieges 1991-1995 gefallen sind.

In der 69. Minute begann eine Pyroshow der BBB, die die Fackeln anschließend auch auf der Tartanbahn entsorgten, untermalt von Gesängen: „Šugava Rijeko, puna si Srba, ništa ne brini, ima još vrba“. Bei der Übersetzung offenbaren sich die deutsch-kroatisch Schwächen, dürfte aber Themen wie „lausiger Fluss…. und …Serben“ zum Inhalt haben.
Festzuhalten ist, dass die Bitte des kroatischen Sportministers vor Anpfiff auf Rassismus und Pyro zu verzichten, nicht fruchtete.
Gestört hat es niemanden.

Nach dem Abpfiff ging es für uns weiter, zurück Richtung Ljubljana. An sämtlichen Kreuzungen aus der Stadt heraus wartete bereits die kroatische Polizei, bis sichergestellt ist, dass die Dinamo-Busse -nach uns- auch die Heimreise ohne Zwischenstopp antreten.

Als Fazit bleibt ein absolutes Highlight-Stadion und ein Duell zweier beeindruckenden Fanszenen, die optisch und gesanglich Einiges boten. Dazu ein interessanter geschichtlicher Kontext in der Region, der noch gar nicht so lange zurückliegt.
Wenn man die relativ geringe Zuschauerzahl berücksichtigt, umso mehr ein Beweis dafür, dass es bei interessanten Spielen keine 60.000 Konsumenten in der schweigenden Masse benötigt, sondern 10.000 locker ausreichen, um echte Emotionen und Stimmung zu sehen – trotz des torlosen Remis auf dem Spielfeld.

Armada Rijeka – Način života (The way of life)

Fakten:
05.05.2013 // 19.00h // HNK Rijeka – Dinamo Zagreb 0:0
Stadion: Stadion Kantrida
Wettbewerb: 1. HNL – Hrvatska Nogomentna Liga (1. kroatische Liga) 2012/13
Zuschauer/Gäste: 10.000 / 600
Eintrittskarte: 120 KN (15 €) Sitzplatz Haupttribüne überdacht, Kurvenkarten bereits ab 10 KN/ unter 2 € erhältlich.
Culinaria: Getränke- und Essensverkauf im Stadion durch die AR87

Die Straßen von Rijeka

Bevor der Spielbericht von HNK Rijeka gegen Dinamo Zagreb, und damit der dritte und letzte Teil der kleinen Balkanreise, online geht, vorab ein paar Eindrücke aus der Stadt selbst und der dort -in beeindruckender Art und Weise- vorzufindenen Straßenkunst.

Egal von welcher Seite aus man in Rijeka einfährt, sei es von Opatija oder Krk aus – an den Graffiti der Armada Rijeka 1987 kommt man nicht vorbei. Die eigens dafür ins Leben gerufene Sektion „Stylists“ kümmert sich um optische Dinge wie Style, Merchandising und Choreos. Ob mit Dose oder Pinsel- wenn man mit offenen Augen durch die Stadt schlendert, dauert es nicht lange, bis man die ersten Kunstwerke erblickt, besonders in direkter Stadionumgebung.
Die kleine Ansammlung hier gibt nur einen minimalen Einblick in das breite Graffiti-Spektrum der Stadt. Auf der Website der Armada ist sogar eine googlemaps Landkarte eingerichtet, auf der man sich die einzelnen Spots heraussuchen kann.
Nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in den Sektionen außerhalb Rijekas sind die Jungs recht aktiv, sodass eine Art Wettbewerb zwischen den einzelnen Sektionen entstanden ist. Die Kunstwerke sind größtenteils legal oder halblegal, da es keine Beschwerden o.ä. bei der Erstellung gegeben hat. Die Armada will nicht nur rund ums Stadion präsent sein, Ziel ist es „Graffiti in der ganzen Stadt zu haben….unsere Farben auf so vielen Wänden wie möglich anbringen um das Bewusstsein für unseren Verein, die Stadt und die Region zu stärken“ [Selbstverständnis BfU Nr. 22].
Historische Gebäude in der Altstadt werden jedoch gemieden.

Bilder der Choreo zum 26. Geburtstag der AR87, dem beeindruckenden Stadion „Kantrida“ in 1a-Lage und zum Spiel gegen Dinamo Zagreb folgen im nächsten Beitrag. Stay tuned…

Winnetou und die Sioux

Wer jetzt an „Winnetou Teil III“ denkt, den muss ich leider direkt enttäuschen.
Zugegebenermaßen, der Einstieg des Kurzberichtes zum Länderpunkt „Bosna i Hercegovina“ klingt etwas schräg.

Es stand ein Tagestrip über die kroatisch-bosnische Grenze nach Bihać auf dem Programm. Dort sollte am späten Samstagnachmittag der Zweitligakick von Jedinstvo Bihać gegen Radnički Lukavac auf dem Spielplan stehen. Vorher war aber noch einen Abstecher zum weltberühmten Nationalpark „Plitvička Jezera“ -auf kroatischer Seite- geplant.
Warum jetzt diese Überschrift? Die Ultrasgruppe von Lukavac trägt den verheißungsvollen Namen „Sioux“; das Gebiet der „Plitvička Jezera“ war Drehort für die eine oder andere Verfilmung des Karl May Klassikers „Winnetou“.
„Auf der Flucht überfallen die mit den Zugräubern verbündeten Sioux eine Siedlung deutscher Auswanderer und verschleppen alle Bewohner. Bei der Rettungsaktion am Berg Hancock wird Winnetou von einem Sioux erschossen.“

Der Eintritt in den riesigen Nationalpark ist mit rund 14 EUR noch im Rahmen. Das Gelände ist riesig und man benötigt ein Ticket eigentlich nur, wenn man die Shuttle über das Wasser oder den Transferbus nutzen möchte. Die Bilder, die man geboten bekommt, sind beeindruckend. Es handelt sich um 16 Seen (4 „untere“; 12 „obere“), die man anhand diverser Routen umrunden/ablaufen kann. Wir entschieden uns für eine 3-4 Stunden Tour, die eigentlich die wichtigsten und schönsten Orte umfasste. Riesige Wasserfälle, Wasserläufe, satte Farben und viele Fische liefern massig Fotomotive. Das Wetter passte auch und die teilweise sehr schmalen Wege und Holzbrücken waren touristisch noch nicht so überlaufen wie im Hochsommer. Dennoch beeindruckend wie viele Rentnergangs sich über die schmalen Holzstege quälten und Foto für Foto für den heimischen Diavortrag schossen. Selbst Krücken hinderten den ein oder anderen Senior nicht, sich von Holzbrett zu Holzbrett zu saugen. Nachfolgende Besucher müssen dann eben ihr Tempo anpassen und an geeigneten Stellen zu kleineren Überholmanövern ansetzen.

Wieder am Parkplatz angelangt haben wir feststellen müssen, dass beim Abstellen der slowenischen Mietkutsche vergessen wurde, das Fenster auf der Fahrerseite hochzufahren. Glücklicherweise war alles noch da und die Dummheit wurde nicht bestraft.
Knapp eine Stunde Fahrzeit liegt Bihać entfernt. Der Grenzübertritt dauerte keine 10 Minuten und die Fahrt konnte ohne weitere Kontrollen fortgesetzt werden.
Die sehenswerte Altstadt der „Moslem-Enklave“ Bihać befindet sich am Ufer des Flusses „Una“. Umgeben ist die Stadt von mächtigen Bergen (Grmeč-Gebirge) bzw. auf kroatischer Seite der Bergzug der Plješevica, so dass sich die Stadt in einer Art „Talkessel“ befindet.

Vielerorts sind Überbleibsel von den Kriegsjahren zu sehen. Die gar nicht mal so lang zurückliegende Vergangenheit ist an vielen Stellen -gerade an den Einschusslöchern an den Gebäuden- präsent. Im Bosnienkrieg bildete das Gebiet um Bihać 1992 bis 1995 eine von serbischen Milizen umzingelte Enklave, die sich über die gesamte Länge des Krieges unter der Kontrolle bosnischer Regierungstruppen befand und zur UN-Schutzzone erklärt wurde. Für mehrere Jahre war Bihać quasi von der Außenwelt abgeschnitten und rund 150.000 Flüchtlinge drängten sich in die 70.000-Einwohner-Stadt.
Später kämpften kroatische und bosnische Einheiten erfolgreich gegen die Serben und ganz Westbosnien war fortan wieder in der Hand der bosnisch-kroatischen Föderation. Das bosnische Kernland konnte seitdem wieder mit dem Gebiet Bihać verbunden werden.

Nun zum Fußball.
Vor dem Anpfiff war Shopping im örtlichen Supermarkt angesagt, bei dem wir uns mit bosnischen Spezialitäten eindeckten. So kamen wir zu dem notwendigen Kleingeld, welches wir für den Erwerb der Eintrittskarten benötigten.
Das Auto stellten wir frühzeitig in Stadionnähe ab, wie sich später herausstellte direkt am Gästeparkplatz, und erkundeten -begleitet von entspannt umher streunenden Straßenhunden- die Gegend.
Bei Ankunft der Gäste setzte sich die örtliche Szene, die sich in einem angrenzenden Park versammelt hatte in Bewegung und zog Richtung Gästeparkplatz. Was folgte waren freundschaftliche Szenen und Begrüßungen. Beide Szenen verbinden freundschaftliche Kontakte und es folgte nur eine nette Plauderei mit allerlei Tifo-Material im Gepäck.
Glück gehabt, wäre sonst für die Mietkutsche nicht unbedingt gut ausgegangen. Der Eintritt mit umgerechnet 1,50 € absolut human.
In Bosnien zahlt man übrigens mit Mark. Mark? War da nicht mal was?
Richtig, seit 1998 zahlt man in dem Balkanstaat Bosnien und Herzegowina mit der Konvertible Mark als offizielles Zahlungsmittel. Bis zum Jahr 2001 hatte die Konvertible Mark einen Umtauschkurs zur Deutschen Mark von 1:1. Seit der Einführung des Euro ist der offizielle Umtauschkurs der Konvertible Mark zum Euro 1,95583:1. Anfangs waren auch deutsche Münzen und Scheine im Umlauf und wurden wie inländische KM verwendet.

Die Tribüne mit dem Schriftzug wirkt mächtig. Die Sitzreihen in rot-weiß sind von der Sonne verblichen und werden vom Schriftzug „NK Jedinstvo [Einheit] Bihać“ geziert. Der obere Teil ist voll mit Schmierereien, ja leider mehr Schmierereien als schicke Malereien mit Stadt- oder Vereinsbezug. Gegenüber, wo sich auch Heimblock und der Gästesektor befinden, sind etwa ein Dutzend, blockweise in rot-weiß gehaltene, unbedachte Sitze. Insgesamt 16.000 Zuschauer sollen hier Platz finden.
Support gab es von der örtlichen Ultragruppe „Sila Nebeska `96″ [Kraft des Himmels / Sky Force]. Bei der Jahreszahl dürfte es sich eher um das Geburtsjahr der Jungs als um das Gründungsjahr der Gruppe gehandelt haben. Der Altersdurchschnitt lag deutlich unter 20. In Halbzeit 1 dürfte sich die Anzahl bei annähernd 100 eingependelt haben, in Halbzeit 2 ein deutlich dezimierter Haufen von knapp 50 Jungs. Kuriose Sache.

Statt der bekannten Fahnen (Boys Eastside…) hing lediglich -ganz puristisch- nur eine Fahne mit der Aufschrift „A šta drugo da radim subotom?“ was in etwa so viel heißt wie „What else are you gonna do on a Saturday?“
Im Gästeblock ebenfalls keine Gruppenfahnen, lediglich 5 Zaunfahnen (u.a. 2 Landesflaggen) am Zaun und ein Dutzend Ultras „Sioux“ oberkörperfrei mit sporadischen Gesangs- und Klatscheinlagen.

Das Spiel äußerst kurios. Betradar und Co. hätten ihre wahre Freude gehabt. FK Radnički Lukavac, Aufsteiger und somit Liganeuling und derzeit 2. in der Tabelle gegen die graue Maus (und bis 2008 Premijer Liga-Klub) Bihać im Mittelfeld. 22. Minute „rote Karte“ für Außenseiter Bihać, was die Mannschaft aber nicht davon abhielt 6 Tore in Unterzahl gegen den Tabellenzweiten zu erzielen. Ein Schelm wer hier denkt, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. Beweisen wird es keiner mehr können. Wer weiß wie viel Dollars in Asien hier auf Heimsieg mit 5 Toren Differenz in Unterzahl gesetzt wurden.
Es schien als wären wir Zeuge einer Versöhnung zwischen Spielern und Fans geworden; jedenfalls drehte der Großteil der Torschützen artig Richtung Fanblock um sich feiern zu lassen.
Tifo und Gesänge auf der Heimseite -gerade in Halbzeit 1- durchaus ansehnlich. Die Fahnen wehten im Wind und den Jungs spielte der torreiche Spielverlauf natürlich in die Karten, während die Gastanhänger ihre Bemühungen schnell einstellten und nur noch selten von sich hören ließen. Nach Spielende bahnten wir uns den Weg an Hunden und einem Krötentümpel vorbei zum Wagen und verließen, die Abendsonne im Rücken, Bosnien & Herzegowina. An der Ausfallstraße Richtung Kroatien hielten wir noch zum Burek-Abendessen, bevor uns der Regen zu späterer Stunde erwischte und ein feinstes Gewitter mit Platzregen die Fahrt über die mautfreien, schmalen kroatischen Bergstraßen erschwerte.

Ne govorim bosanski. Doviđenja!

Fakten:
04.05.2013 // 17.00h // Jedinstvo Bihać – Radnički Lukavac 6-1
Stadion: Stadion Pod Borićima
Wettbewerb: Prva Liga Federacije BiH (2. bosnische Liga) 2012/13
Zuschauer/Gäste: 800 / 15
Eintrittskarte: 3 KM (Konvertible Mark) = 1,53 € Sitzplatz Haupttribüne
Culinaria: traurige Realität: lediglich Popcorn & Fruchtsäfte. Grill? Fehlanzeige.

Hot Horses am Ljubljanica

Dober dan!
Den Maifeiertag fix für ein langes Wochenende in den südlichen Gefilden genutzt um ein paar Sonnenstrahlen zu tanken und mit dem ein oder anderen Kick Länderpunkte einzusammeln.
Eine kleine 3-Länder-Tour stand auf dem Programm. Slowenien, Kroatien und Bosnien & Herzegowina. Letztere beiden Kurzberichte folgen die Tage – jetzt geht es Schlag auf Schlag. Im Mai wird es auch ein Willi-Betz-Update geben, soviel wird schon verraten.

Am 1. Mai stand das Hinspiel vom Halbfinale des Slowenischen Pokals (Hervis Pokal Slovenije) auf dem Programm. Rund eine halbe Stunde mit dem Zug entfernt von der Hauptstadt Ljubljana liegt Kranj, wo seit 2010 auch der Erstligist Nogometno Društvo Triglav 2000 Kranj beheimatet ist. Dank Spielplan und Losfee gab es dieses Duell gleich dreimal innerhalb von 8 Tagen, da der Pokal mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird.
Zu Gast NK Maribor, der erfolgreichste und wohl bekannteste Verein Sloweniens – gegründet in 1960.
Die Violetten („Vijolice“) stehen auch in dieser Saison vorzeitig als Meister fest, während Kranj den 6. Platz belegt.
Wir verweilten bereits am Vorabend in Ljubljana und genehmigten uns bei bestem Wetter und schöner Atmosphäre am Flussufer das ein oder andere noch vor Ort gebraute „Union“-Bier (gewinnt das slowenische Duell gegen „Laško“).

Tipp für Anreisende mit der Bahn: „Europa-Spezial“ nach Zagreb buchen statt nach „Slowenien“. Zug ist der gleiche, jedoch der Preis deutlich günstiger. Wir zahlten rund 30 EUR für die Strecke.
Die Stadt steht unter dem Zeichen des Drachen, der das Wahrzeichen ist und als Wappen und Symbol vielerorts zu sichten ist. Ca. 50.000 Studenten (bei lediglich 380.000 Einwohnern) prägen zwangsläufig eine Stadt, entsprechend einfach ist es eine Lokalität ausfindig zu machen. Am Abend war noch Rammstein zu Gast und bat zum „Tanz in den Mai“. Wir zogen dennoch das Flussufer den Klängen Rammsteins vor, aber es waren den ganzen Tag überall Rammstein-Anhänger in teils äußert skurrilen Klamotten zu sichten.

Aus taktischen Buchungsgründen testeten wir während des Aufenthalt gleich 2 Hostels. die es auch gleich in die Top10 schafften und ohne Vorbehalte weiterempfohlen werden können.
Hostel Tresor – direkt im Zentrum gelegen. Das Tresor ist eine ehemalige Bank, wo noch das ein oder andere Überbleibsel zu sehen ist; der Frühstücksraum im ehemaligen Tresorraum mit fetter Sicherheitstür und nett gestalteten Zimmer sowie entspannten Angestellten. Das „Tresor“ hinterließ einen einwandfreien Eindruck.
Hostel Celica – ein ehemaliges Gefängnis. Jede Zelle von einem slowenischen Künstler designend und stilecht mit Gittertüren, dazu im Metelkova. Hierbei handelt es sich um ein autonomes Zentrum für Politik und Kultur. Es liegt in der Nähe des Bahnhofs auf einem Gelände der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee, die dort in einem Kasernenkomplex stationiert war. Jetzt befinden sich nette Bars und Clubs auf dem Gelände.
Kulinarisch gibt es in Ljubljana, neben diversen „Burek“-Spezialitäten, die man unbedingt kosten sollte (Hackfleisch oder Käse im Blätterteig für schlankes Geld (Tipp:“24-h-Burek“)), auch ein echtes Highlight, nämlich 2 Filialen der slowenischen „Hot Horse“ Burgerkette, die, wie der Name schon vermuten lässt Burger auf der Speisekarten haben – mit Pferdefleisch. Absolutes kulinarisches Highlight.

Von der Hauptstadt aus ging es rund 20 Minuten nördlich mit dem Zug nach Kranj.
Das Stadion liegt im Sportkomplex „Sportni Center Stanko Mlakar“. Dies ist ein großzügig angelegter Sportpark mit Schwimmhalle, Basketballplatz, Kunstrasentrainingsplatz und Skatepark, der außer dem Fußballstadion viele Freizeitmöglichkeiten an einem Fleck vereint und daher ein gut frequentiertes Familienausflugsziel darstellt.
Die Tore öffneten recht spät; auf dem Spielplatz direkt nebenan war deutlich mehr los als an den Kassenhäuschen. Wie in Slowenien zu erwarten, hält sich das Interesse am runden Leder in Grenzen, selbst das fantechnisch interessanteste Duell zwischen Ljubljana und Maribor („Slovenski Derbi“) ist Jahr für Jahr alles andere als ausverkauft.
Erst ziemlich pünktlich zum Anpfiff war dann eine annehmbare Kulisse vor Ort und es wirkte nicht mehr ganz so leer.
Der Eintritt mit 8 Euro ist für Einheimische nicht gerade günstig. Im Stadion selbst platzierte sich der Großteil, bis auf die Gäste, und vereinzelten Einheimischen, die die unüberdachte Gegengerade vorzogen, auf der Haupttribüne. So auch die Ultrasgruppe von Kranj, den „Small Faces“ (Logo: Droog-Alex im Comicstil). Deren Bereich ist mit Gittern vom Rest der Tribüne abgetrennt.

Zum Spiel selbst gibt es nicht so viel zu sagen, außer dass der klare Außenseiter 2-1 in Führung lag und erst 3 Minuten vor Ende den bitteren Ausgleich zum 2-2 kassierte. Das Rückspiel sollte Maribor klar gewinnen und ins Pokalfinale gegen Celje einziehen.
Insgesamt fanden sich 900 Zuschauer zu diesem Halbfinalhinspiel ein, davon etwa rund 50 Gäste aus Maribor.
Die Szene rund um die „Viole Maribor 1989″ ist nicht gerade bekannt für größerer Auswärtsmobs, hat es natürlich auch nicht leicht im tristen Ligaalltag, wo außer den „Green Dragons“ von Olimpija kaum was Vergleichbares vorhanden ist.
Jahrelang bestand eine Freundschaft zu der „Brigata Graz“. Es gibt zwar noch lose Kontakte, jedoch nichts „Offizielles“. Am heutigen Tag konnten Jungs mit Anti-Legia-Warszawa Shirts, andere mit „Fanatics“ -Aufschrift in gelb-schwarz und weiteren polnischen Aufdrucken „Kibice Razem Warszawa“ gesichtet werden. Hintergründe hierzu sind mir leider nicht bekannt, um welche(n) Verein/Organisation es sich hierbei handelte.
VM89 selbst zur politischen Einordnung: „We think that we are the biggest party in the town and in the region and we don‘t give a fuck about politicians, but still some of them call us right-winged, but as a group we don‘t have any connections with any political parties.“
Supportaktivität war nur sporadisch zu vernehmen, der Gästeanhang chillte lieber in der Sonne. Lediglich am Ende wurde noch ein „Yellow Fire“ angerissen. Da waren die „Small Faces“ schon etwas aktiver und lauter. Ihnen kam natürlich die Akustik der Tribüne zur Gute und so schmetterten ab und an die Schlachtrufe über den Platz.
Im Gästeblock waren 3 (u.a. „čar male grupe“), gegen Ende noch eine vierte Fahne angeflaggt. Auf der Heimseite zwei Zaunfahnen der Small Faces.

Solide Kost, die natürlich keine Begeisterungsstürme auslöste, lediglich das sehr sehr schicke Panorama im Hintergrund konnte überzeugen und entschädigte für die Support-Magerkost. Vorzeitig mussten wir die Zelte abbrechen um den Fußmarsch zum Bahnhof zu bewältigen und einen der letzten Züge in die Hauptstadt zu erreichen und den Abend am Flussufer ausklingen zu lassen. Ljubljana – herrlich entspannende Studentenstadt. Im Sommer mal gerne wieder. Ne znam slovensko. Nasvidenje!

Fakten:
01.05.2013 // 17.00h // ND Triglav Kranj – NK Maribor 2-2
Stadion: Sportni Center Stanko Mlakar
Wettbewerb: Hervis Pokal Slovenije Saison 2012/13
Zuschauer/Gäste: 900 / 50
Eintrittskarte: 8 €, Sitzplatz Haupttribüne (Frauen zahlen übrigens 5 €)
Culinaria: Hot Horse Burger in Ljubljana