Archiv für November 2013

MVV Mestreech

Länderspielwochenende – aber die zweite, niederländische Liga weigert sich standhaft den Spielbetrieb ruhen zu lassen. So soll es sein. Die „Mestreecher“ empfingen die Gäste vom Ijsselmeer aus Nordholland – dem FC Volendam.
Maastricht, oder wie die Ureinwohner zu sagen pflegen, „Mestreech“ ist ein kleines schickes Städtchen in der Provinz Limburg und zugleich eine der ältesten Städte der Niederlande (diesen „Titel“ macht ihnen Nijmegen streitig), die im äußersten Südosten des Landes zwischen Belgien und Deutschland liegt („Euro-Loge“). Ihr Bekanntheitsgrad stieg sicherlich 1992 deutlich an, als hier der Vertrag von Maastricht unterzeichnet wurde, der zur Gründung der EU führte.
Auf dem Hinweg wurden die kaufwütigen Scharen beim Outlet-Shopping in Roermond fix hinter sich gelassen sodass am frühen Abend im „StayOkay“-Hostel eingecheckt werden konnte.
Das Hostel ist direkt am Maasboulevard schick am Wasser gelegen. Ein guter Blick von der Terrasse auf die vorbeifahrenden Schiffe und das fließende Nass ist somit garantiert.
Nach einem ausgiebigen Einkauf holländischer Spezialitäten drehten wir eine Runde durch die Innenstadt (Binnenstad), welche fußläufig rund 10 Min. vom Hostel entfernt liegt.
Die mittelalterliche Stadtmauer und das Helpoort (Höllentor) umrahmen das Viertel und in den Fußgängerzonen reihen sich die bekannten internationalen Modeketten in gut erhaltenen bzw. restaurierten Gebäude aneinander, welche sich durchaus in das Stadtbild integrieren und nicht wie Fremdkörper wirken. Die Stadt ist multikulturell geprägt und so fanden wir neben einem dialektschwangeren Sprachenwirrwarr bei einem reichhaltigen, internationalen Angebot auch noch etwas Leckeres für den Magen . Am historischen Stadthafen „Bassin“ drehten wir um und entlang des „Mississippi-Dampfers“ ging es zurück ins StayOkay, wo wir den Tag bei Frischgezapftem ausklingen ließen.


Hostel-Foyer


StayOkay Hostel, Maastricht


StayOkay Hostel, Maastricht

Zur Stadt:
Am Morgen „begrüßten“ uns die Abgesandten der „Damascus Road International Church“ im Hostel-Foyer, die hier wohl sonntäglich ihre Gottesdienste abhalten. Das Frühstück ist im Preis inbegriffen und ist durchaus passabel.
In der 120.000 Einwohner Stadt leben viele Studenten und es lässt sich alles problemlos zu Fuß oder per Fahrrad erreichen.
Seit dem Herbst 2007 existiert ein „Ekoplan“ der Stadt, welcher Läden mit fair gehandelten Waren, Second-Hand oder veganen/vegetarischen Produkten ausweist. Nun gut, gerade Letzteres ist für SALSICCIA eher weniger interessant. Den Ekoplan gibt es online, lag aber auch im Hostel aus.
Ein wenig Kultur kann auch nicht schaden und so standen neben dem gotischen Dinghuis und der Dominikanerkirche auch der Vrijthof mit Sankt-Servatius-Basilika (Sint Servaasbasiliek) auf dem Programm. Den Großteil der unzählig vorhandenen Kirchen im Stadtbild kürzten wir aus Zeitgründen aber raus.
Wir überquerten die Maas über die Servatiusbrücke Richtung Wyck & Céramique, dem alten und neuen Quartier am östlichen Maasufer (eher geprägt von moderner Architektur). Dort ist auch das bekannte „Bonnefanten-Museum“ für moderne Kunst beheimatet. Zurück über die futuristische Hoge-Brücke beendeten wir den morgendlichen Rundgang.
Maastricht ist übrigens eine Karnevalshochburg und die Menschenmassen strömen zur „fünften Jahreszeit“ hierher. Anhänger dieses „Events“ sprechen gar vom „North European Mardi Gras“, lediglich etwas kälter und dunkler als das Original.
Da noch ausreichend Zeit bis zum Anpfiff war, nutzten wir die Zeit für einen Abstecher nach Valkenburg aan de Geul, einer Kleinstadt ganz in der Nähe Maastrichts – dem zweiradaffinen Kibitz sicherlich vom Amstel Gold Race ein Begriff, dessen Ziel der Cauberg in Valkenburg ist. Auch die Tour de France war 2006 hier schon zu Gast.
Valkenburg ist eines der bedeutendsten Ferienziele der Niederlande. Oberhalb der sehenswerten, kleinen Altstadt mit vielen Cafés und Bars befindet sich eine Ruine – die Reste der einzigen Höhenburg in den Niederlanden, während alle anderen Burgen im Land Wasserburgen waren. Mit einer Seilbahn gelangt man zum Aussichtspunkt „Wilhelminatoren“.


Servatiusbrücke


Hoge-Brücke

Zum Stadion:
Am Stadion „De Geusselt“, im Norden Maastrichts, angekommen war noch nicht viel los. Zwei sofort an den typischen Merkmalen erkennbare Hopper hatten sich schon am Kassenhäuschen positioniert. Es hatte aber zu diesem Zeitpunkt lediglich der „Fanshop“, in Form eines Containers, geöffnet.
In Maastricht scheint man nicht viel von dem „ClubCard“-Unsinn in NL zu halten, sodass es rund eine Stunde vor dem Anpfiff problemlos Tickets am Schalter zu erwerben gab. Leider eine Seltenheit bei unseren Nachbarn, die dazu neigen häufig „CC-verpflichtende“ Spiele auszurufen, was die Sache oft erschwert.
Der Ground ist ein Allseater mit 10.000 Plätzen in der klassischen, holländischen Stadionbauweise. Seit 1961 kickt hier der MVV und wurde seitdem mehrmals renoviert bzw. leicht modifiziert. So wurde z.B. die ursprünglich vorhandene Laufbahn um das Spielfeld entfernt und in diesem Zusammenhang das Spielfeld um 90 Grad gedreht. Die vier Eckbereiche wurden im Jahr 2000 geschlossen, darin befinden sich offensichtlich Büroräume o.ä.. Zudem wurde der letzte Stehplatzbereich in einen Sitzplatzrang umgewandelt.
Positiv anzumerken ist, dass man sich innerhalb des Stadions frei bewegen konnte und auch bei den Aufgängen wurde unüblicherweise nicht kontrolliert, sodass man in den Genuss eines kostenlosen „Upgrades“ zu Plätzen -Höhe Mittellinie- kam.


Gästeblock

Zu den Fans:
Die Heimfans stehen seit jeher auf der Hintertortribüne mit dem Namen „Angel-Side“. Das Engel-Motiv findet sich auch im Stadtwappen wieder, der Erzengel Gabriel stand bei dieser Namensgebung Pate. Das Stadtwappen zeigt einen silbernen, fünfzackigen Stern auf rotem Grund mit einer goldenen Krone gekrönt, welcher von einer Engelsgestalt im blauen Gewand gehalten wird. Daher kommt auch der Spitzname für die MVV-Kicker „De Sterrendragers“.
Die „Angel-Side“ wies am heutigen Spieltag größere Lücken auf, sodass sich die Ultrasgruppe mittig in einem Teil der Tribüne postierte und die Fahne mittels einer Kabelrohr-Konstruktion befestigte, während sich die älteren Fan-Semester auf gleicher Tribüne und in etwa gleicher Höhe auf der anderen Seite des Tores platzierten. Hinter der „Ultras“-Fahne fanden sich dann etwa 50 Supportwillige ein.
Es gab durchaus Zeiten, Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre, in denen die „Engel“ ihrem Namen nicht ganz gerecht wurden und durch Aktivitäten rund um die Spiele des MVV auffielen, wenngleich es in der letzten Zeit etwas ruhiger wurde. Das Thema „Ultras“ gibt es beim MVV seit 2005, wo die ersten Choreos gezeigt wurden. Inwieweit und in welcher Form die Gruppen „Angel-Side“, „M-Town Rebels“ und „Ultrasmestreech“ noch aktiv sind oder sich alles in einer Gruppe/Szene eint, erschloss sich mir nicht ganz.
In der Regel finden sich hier zwischen 5.000-6.000 Zuschauern zu den Spielen des Clubs ein, nur gegen andere Clubs aus der Region Limburg wird es mal annähernd voll (Sittard, Kerkrade).
Wir begutachteten die sehenswerten, legalen Graffitis im Stadioninneren, statteten dem Ultras-Verkaufsstand einen Besuch ab und schauten uns die Vielzahl von Fahnen mal aus der Nähe an, die der hiesigen Ultras-Szene zuzuordnen waren. Auffällig, das vielerorts gesehene „043“-Kürzel, was die Telefonvorwahl Maastrichts darstellt.

Zum Spiel:
Der MVV Maastricht wurde 1902 gegründet und spielt seit dem Jahr 2000 in der Eerste Divisie, der zweithöchsten Spielklasse. So musste das 100jährige Vereinsjubiläum als Zweitligist gefeiert werden. Die Einheimischen sprechen, wenn sie über den MVV reden, auch liebevoll vom „Us MVV‘ke“ oder „ons MVV‘tje“. 2010 stand der Verein vor dem finanziellen Aus und der Neuanfang konnte nach einer Umbenennung von „Maastrichtse Voetbal Vereniging“ in „Maatschappelijke Voetbal Vereniging Maastricht“ mit 8 Zählern Abzug in der Saison 2010-11 erfolgen. Ehemalige, hierzulande bekannte Spieler des MVV sind Erik Meijer und Eric Gerets.
Zum Einlaufen der Mannschaften wurde die MVV-Hymne “Joa dat is us MVV” live zum besten gegeben. Volendams Nr. 5 (Spitzname „Terrier“) hatte es dem heimischen Publikum besonders angetan und sobald dieser nur in der Nähe des runden Leders kam, kochte die Stimmung hoch. Den genauen Hintergrund fanden wir zwar nicht heraus, aber die Pöbeleinlagen auf der Gegengeraden konnten jedenfalls was und es dauerte auch nicht lange bis es dem Spieler zu bunt wurde und er die gelbe Karte sah.
Beide Mannschaften befinden sich im Mittelfeld der Liga, sodass kein klarer Favorit auszumachen war. Die Hausherren gingen 1-0 in Führung, in der zweiten Halbzeit drehten die Jungs aus dem Norden das Spiel zu ihren Gunsten und nahmen die 3 Punkte mit.
Fußballerisch kein Leckerbissen, aber immerhin war es spannend.
Der Support der Heimseite war bei weitem nicht durchgängig, selbst der gern genutzte „spielbezogen“ Begriff passt hier nicht. Die jugendlichen Casuals schwenkten ab und zu mal eine Fahne, was in der niederländischen Fankultur ja nicht unbedingt zum Standard gehört und ab und zu wurde zum Trommelrhythmus mal ein Liedchen geträllert. Die „Veteranen“ sowie „Trepke B“ auf gleicher Tribüne stehend, traten noch weniger in Erscheinung. Gästefans waren leider nicht mit angereist.
Zum Spielende traten wir dann, mit längerem Zwischenstopp im Ruhrgebiet, die Heimreise an.

Fazit:
Ein netter Ausflug in die Provinz Limburg. Einziger Wehrmutstropfen: Das Willi Betz-Spiel wurde gegen einen waschechten Rookie klar verloren.

Fakten:
17.11.2013 // MVV Maastricht – FC Volendam 1-2 (1-0)
Stadion: De Geusselt
Wettbewerb: Eerste Divisie (2. Liga NL)
Zuschauer/Gäste: 3.627 / Fehlanzeige (Kapazität 10.000)
Eintrittskarte: 16 EUR Sitzplatz, Gegengerade
Zaunfahnen: ca. 13 auf der „Angel-Side“ und 6-7 vereinzelte Fanclubfahnen auf den anderen Tribünenseiten
Culinaria: Red Band Snoepmix -Fizzy-

„Anarchy & Romance“ – Shantel in Kassel

Istanbul, Paris, Amsterdam – Kassel!
Der „König des Balkan Pop“ Shantel aus Frankfurt machte mit dem Bucovina Club Orkestar auch Halt in der nordhessischen Metropole.
Nicht zum ersten Mal, aber die Auftritte haben nichts an Energie und Stimmung verloren und verwandelten dieses Mal das recht gut besuchte Musiktheater zu einer „Disko Partizani“, nachdem er im August 2012 das Umsonst & Draußen „Mind the Gap!“-Festival in der Kasseler Nordstadt zum Tanzen gebracht hat. Nicht zu verwechseln mit dem legendären „Glastonbury“ ;-) wo Shantel aber auch schon mal auftreten durfte.

Der Sound hat sich etwas verändert. Die mit satten, elektronischen Beats unterlegten Balkan-Bukowina-Dub mussten ein wenig den raueren, „klassischeren“ Tönen Tribut zollen. Er selbst nennt es „organischer“. Osteuropa ist eben nicht nur eine große Party, sondern zeigt an vielen Stellen auch seine Schattenseiten (u.a. Antisemitismus in Ungarn, Gewalt in Serbien), wie Shantel im Interview mit der örtlichen Presse verlauten ließ und die Region nicht nur „romantisch-verklärt“ gesehen werden dürfe, sodass sich letztendlich aus der Liebe eine Art Hassliebe entwickelt habe.
Nichtsdestotrotz war nicht viel Zeit für Melancholie und die ruhigere Gangart, denn der „treibende Balkan-Rhythmus“ bleibt als Grundelement erhalten, sodass der Abend den rund 400 Zuschauern einen Mix aus Gassenhauern wie „Disko Partizani“, „Mahalageasca“, „Disko Boy“ und natürlich dem absoluten Klassiker „Bucovina“ sowie einigen, neuen Liedern wie z.B. „Süper Bad Day“ und „The Kiez is allright“ bot.

Ein gelungener Abend, nicht nur für Liebhaber der ost-/südosteuropäischen Musik, der nach der normalen Setlist noch einiges an Zugaben hergab, inkl. meinem persönlichen Highlight in Form eines „Bella Ciao“-Remixes.
Fazit: Shantel & das Bucovina Club Orkestar stehen für eine erstklassige Live-Show, bei deren Sound man nicht anders kann als sich mit dem Rhythmus zu bewegen. Absolute Empfehlung für einen Abend mit einem Künstler, der so recht in kein Schema passt, aber wahrscheinlich ist es gerade das, was das „Besondere“ ausmacht.
Nur der „2/4-Takt“-Mitklatsch-Liebhaber wird enttäuscht nach Hause gehen und sich nicht mal den starken Brass-Parts erfreuen können.

Ticket: 19.11.2013, Musiktheater Kassel, Abendkasse 20 EUR – nicht gerade günstig, aber mit möglicher studentischer Ermäßigung hätte sich der recht hohe Preis etwas reduziert.

Florentiner Straßenkunst

Bereits seit 60 Jahren sind Kassel und das italienische Florenz durch eine Städtepartnerschaft eng miteinander verbunden.

Anlass genug, um den italienischen Streetart-Künstler „Clet“ aus Florenz vorzustellen.

For the record, “Clet” in art is 43 year old Clet Abraham, a French artist who has been living in Italy for over 20 years. This “guerrilla” act of art is just one manifestation of his often surreal and colourful approach to the world.

Florence street sign art by Clet