FC København – Brøndby IF

Da eine gemeinsame Städtetour mit Inga schon eine Weile zurück lag und der nächste „große“ Urlaub erst im Juni ansteht, wurde der März auserkoren, um das nächste Fähnchen auf unserer Weltkarte zu versenken. Da der tifo-interessierte Fan natürlich nicht willkürlich irgendwo hinjuckelt sondern vorher der Kicker Matchkalender gecheckt wird, wurde „spontan“ Kopenhagen vorgeschlagen… Zufälle gibt’s… Heheee… Hat damals beim Istanbul Trip auch schon geklappt, Zufall, ganz ganz dickes Ehrenwort liebe Inga.

Los ging es am frühen Freitagmorgen, dank des Firmenwagens wieder äußerst kostenneutral. Als Unterkunft wählten wir über AirBnB eine schicke Unterkunft im Szeneviertel Nørrebrö.
Da in der Salsiccia .pdf-Ausgabe Nr. 13 schon ausführlich auf Kopenhagen eingegangen ist, hier nur grob ein paar Infos.
Kopenhagen ist teurer- sehr teuer! Selbst für Sparfüchse wie uns zwei… Da kostet der Cappuccino schon mal gerne 5€, die Dose Bier im Supermarkt 3 € und die Pizza 9 €…

Koppenhagen hat Kinder- viele Kinder!
Kopenhagen hat ca. 500.000 Einwohner, wovon gefühlt 80 % unfassbar gutaussehend sind, egal welchen Alters. Von diesen 80 % haben ungefähr 75 % süße kleine Kinder. Inga und ich waren uns einig das Kopenhagen so in den nächsten Jahrzenten zur Millionenstadt voller gutaussehender, fahrradfahrender Hipster wird.
Falls wer Interesse hat gebe ich euch gerne noch ein paar aktuelle Tipps zur Stadt, um den Rahmen des Blogs aber nicht zu sprengen, nun direkt rein ins Kopenhagen DERBY!

Das „Parken“-Stadion von Kopenhagen, liegt wie der Name schon vermuten lässt in einem Park. Von unserer Unterkunft zu Fuß gut zu erreichen schlenderten wir ca. 2,5 Stunden vor Spielbeginn in Richtung Stadion um bei einem leckeren Apple Cider, die Sonne und das Treiben rund um den 1992 eröffneten Ground zu genießen.
Hinter dem schicken „Parken“, welches auch gleichzeitig das Nationalstadion Dänemarks ist, befindet sich ein nettes Oldschoolstadion das mittlerweile vornehmlich für Leichtathletik genutzt wird.
Selbstverständlich wollte ich das Stadion von innen sehen, selbstverständlich war das Dingen zu. Vor dem Haupteingang hatten sich allerdings ein paar Jugendtrainer vom FC Kopenhagen versammelt um ein paar Pølser zu grillen und Dosenbier zu verkaufen. Einer der schon leicht angetrunkenen Betreuer machte uns ein faires Angebot: Dose Bier, Pølser + freier Zugang in`s innere für umgerechnet 8 €. Ruck zuck wurden wir durch die Katakomben gelotst, die letzte Tür für uns aufgeschlossen, freundlich beim vollgetankten Betreuer bedankt und ab zur Fotosession. Fotosession beendet, wieder zurück zum Ausgang. Bääähm- Tür zu!!! Der „leicht“ angetrunkene Herr hatte wohl vergessen dass die Tür von innen nicht aufgeht… Shit. Nun gibt es aus meiner Sicht sicherlich schlimmere Dinge als mit seiner Liebsten in einem schicken alten Stadion gefangen zu sein, nicht aber wenn nebenan in 45min. der FC Kopenhagen auf Bröndby IF trifft… Schlussendlich fanden wir über den Hintereingang einer direkt anliegenden Kneipe doch einen Ausgang. Puuuh, auch mal was Neues nicht aus einem Stadion heraus zu kommen, normal ist reinkommen ja eher das Problem….

Erläuterte ich Inga vor dem Spiel, dass von Heimseite nicht mit Pyro zu rechnen sei, von Gästeseite jedoch umso mehr (danke an dieser Stelle für das Gefühl das es dich zumindest minimal interessiert), wurde ich direkt beim Intro eines Besseren belehrt. Alter Däne- wie geil war das denn bitte?!?
Nachdem die Blockfahne, die über die gesamte Hintertortribüne entrollt wurde, wieder unten war, fackelte die Kopenhagener Szene rund um die Urban Crew, unterstützt übrigens von der CFHH, so ziemlich alles ab was der Ultras-Tifo-Shop hergibt. Zu Beginn Rauchtöpfe, anschließend 40- 50 Fackeln, 10-20 Blinker…Wahnsinn…Eine der beeindruckensten Pyroshows die ich je live erleben durfte. Die Reaktion des restlichen Publikums: Applaus (!!!).

Netterweise warteten die Jungs und Mädels von Bröndby IF mit Ihrem Intro so lange, bis das Spektakel auf Heimseite beendet war und starteten dann ein Chaos Intro bestehend aus großen in hellblau, blau und gelb gehaltenen Schwenkern, Konfetti und Wurfrollen, sowie einigen Fackeln und Blinkern. Auf Gruppenzaunfahnen wurde bei Bröndby übrigens komplett verzichtet, vor dem Gästeblock hing anstelle dessen eine über die komplette Breite gestaltete „Sydsiden Bröndby“ Zaunfahne.

Die 22 Kicker auf dem Rasen warteten ganz gemütlich mit dem Anpfiff, spielten sich noch gemächlich ein paar Aufwärmbälle zu, der Schiedsrichter erkundigte sich kurz bei den Kapitänen, ob Sie wüssten wann die Kurven gedenken das Spektakel zu beenden und pfiff dann ohne großes Trara ca. 15 Min. später an.
Ich glaube nun weiß Inga wie ich aussehe, wenn ich richtig, richtig glücklich bin, was ein Auftakt!!!
Das dieses Niveau nicht 90min. gehalten werden konnte war klar. Stimmungsmäßig war für mich Bröndby deutlich emotionaler, beim FCK sah das ganze irgendwie nach Pflichtprogramm aus. Auf dem Platz ein ähnliches Bild, der FCK wirkte reifer, besonnener, ohne große Emotionen, vom ehemaligen FC Trainer Stale Solbakken richtig gut eingestellt. Folgerichtig ging Kopenhagen in der 35 Min. in Führung.

In der Halbzeit bedienten sich die ca. 20-30 permanent vermummten Jungs von Alpha Bröndby ganz chillig an der mitgebrachten Pyrotasche und zündeten einen netten Mix aus Blinkern, Fackeln und einer ordentlichen Menge Rauch. Einfach krass. Gejuckt hats natürlich keinen, nur bei Böllern gab es ein paar Pfiffe der restlichen Besucher. Schwarz- gelbe Anhänger aus DO konnten auf Gästeseite zumindest optisch nicht ausgemacht werden, waren aber sicher vor Ort.

Der FC Kopenhagen startetet gut in die die 2.Halbzeit und war dem 2-0 deutlich näher als die Gäste dem Ausgleich. Nun stieg auch das ganze Stadion in die Gesänge ein, während sonst „nur“ die Hintertortribüne und Teile der unteren Gegengeraden Attacke machte.
Bei der Sydsiden von Bröndby machte kompakt der ganze Block mit, der Punkt geht aus meiner Sicht an Bröndby IF.
In der 55. Min dann der überraschende Ausgleich, was einen saugeilen Torjubel zur Folge hatte. Der durch blau- gelbe Plastikfahnen nach unten abgetrennte Bereich der Gästetribüne wurde direkt „überrannt“ bis unten an die Werbebande, die direkt umgekickt wurde. Die Jungs feierten nun direkt am Spielfeldrand den Ausgleich. Torjubel vorbei, noch fix die Bande aufheben, kurz mit den Ordnern abklatschen, husch wieder ab hinter die Bande, weiter geht’s. Einfach nur geil… Während die Ordner noch damit beschäftigt waren die Überreste des Torjubels zu beseitigen, fackelte Bröndby schon wieder fleißig im Block. Das Spiel lief natürlich wie selbstverständlich weiter.
Man stelle sich sowas in…..Ach lassen wir das. In der 65 Min. dann der verdiente Führungstreffer für den FC Kopenhagen der mit dem Treffer zum 3-1 in der 90.min alles klar machte.
Die Feierei danach war schon recht ordentlich, aber irgendwie nicht so emotional wie sie wahrscheinlich beim Gegenüber gewesen wäre. Mag aber vielleicht auch an der Favoriten bzw. Außenseiterrolle liegen…
Ich könnte hier noch mehr Details über Spruchbänder, Rauchtöpfe, Hüpfeinlagen, Songauswahl usw. schreiben, dies würde aber den Rahmen sprengen. Sogar Inga musste zugeben „dass es schon spannend war, weil in den Kurven immer was los war…“. Ich hatte viel erwartet- aber wenn so ein Fazit von Inga kommt, muss schon eine Menge auf den Rängen passiert sein.
Interessant übrigens, was der durchschnittliche Kopenhagener Hipster und natürlich mehrfache Familienvater so an Bierchen in sich reinkippt. Das hatte ich bei den Bierpreisen nicht unbedingt erwartet. Da scheint zwischen Soja Chai Latte und Kindergartenplatz noch ne Menge Kohle für Stadionbiere übrig zu sein… Vielleicht liegt es auch daran, dass Kopenhagen die 5. teuerste Stadt der Welt ist, die Bewohner im Verhältnis aber weltweit am 3. Besten verdienen.

Mein Fazit:
Stimmungsmäßig gibt es sicherlich bessere Derbys in Europa, alleine schon was die Zuschauerzahlen angeht. Was in Kopenhagen aber an Pyrotechnik und optischer Unterstützung geboten wird, braucht sich vor keinem europäischen Derby zu verstecken. Ich persönliche habe solch eine Masse an Pyro noch in keinem Spiel erlebt und bin auch jetzt, 4 Tage nach dem Spiel, völlig geflasht.

CR für Salsiccia

Fakten:
08.03.2014 | 15:00h | FC København – Brøndby IF 3-1 (1-0)
Stadion: „Parken“ Stadion
Wettbewerb: (ALKA) Superligaen Dänemark Saison 2014/2015
Zuschauer: 31.279
Eintrittskarte: 25 € | Gegengerade Oberrang
Culinaria: Spezial „Pølser- Dosenbier- Groundspotting- No Exit Menü“. 8 €