Archiv für Oktober 2015

Voetbal aan Zee

Das erste Heimspiel der UEFA Europa League wurde erfolgreich hinter sich gelassen; die letzen Kleinigkeiten im Koffer verstaut und schon ging es 6 Stunden nach Rückkehr aus dem Ruhrpott wieder in die gleiche Richtung. Bei meiner Begleitung wurde sowohl bei Vor- als auch beim Nachnamen lediglich ein einziger Buchstabe getauscht und so begleitete mich anstelle von IngO S. nun IngA S. Von der Fußballkompetenz her sicher ein herber Rückschritt, optisch dagegen ein enormer Gewinn.

Ziel unserer Reise sollte das 117.000 Einwohner zählende Brügge sein. Durch viele positive Berichte und nicht zuletzt durch den Film „Brügge sehen… und sterben?“ wurde es Zeit die größte Stadt Westflanderns mal persönlich unter die Lupe zu nehmen. Vorab – wir wurden nicht enttäuscht. Wer auf mittelalterliche Städte, shoppen in kleinen Gassen, gemütliche rustikale Lokale steht, der ist in Brügge genau richtig. Mir persönlich hat Brügge mit seinen kleinen Gassen sogar besser gefallen als Amsterdam, da es irgendwie nicht so aufgezwungen hip und cool wirkt, sondern alles immer einen leicht verschlafenen und gemütlichen Eindruck macht. Viele kleine Bars, viele kleine Kneipen, dazu das mittelalterliche Flair – das hat wirklich was.
Aber Achtung! Brügge ist -zumindest was das Essen angeht- nicht günstig. Wir verzichteten daher auf einen Restaurantbesuch und beließen es bei unglaublich leckeren Pommes (inkl. selbstgemachter Samurai Sauce) und diversen Spezialitäten aus dem Supermarkt. Apropos Spezialitäten: In Belgien und speziell in Brügge gibt es unzählige leckere Biersorten. Meine absolute Empfehlung bekommt das in Brügge gebraute „Brugse Zot“. Beim Biergenuss ist allerdings Vorsicht geboten, der Gerstensaft in Belgien hat auch gerne mal um die 10%, sodass sich 1-2 Bierchen auf dem Marktplatz in der prallen Sonne durchaus bemerkbar machen können. Hehee…. Die belgischen Waffeln wurden vom ausgewiesenen Waffelexperten Inga dagegen eher negativ bewertet, zu wenig Geschmack, zu wenig Süße, zu kross, so das vernichtende Urteil. Der belgischen Waffelindustrie sei aber gesagt, dass es sich hierbei wohl um eine der kritischsten Waffeltesterinnen europaweit handel ;-)

Selbstverständlich wurde sich im Vorfeld informiert welchen Brügger Ground man den kreuzen kann. Tatsächlich hatte weder der FC Brügge noch Cercle Brügge ein Heimspiel. Also wurden diverse Paarungen in der Nähe gecheckt. Und siehe da, nur 25km von Brügge entfernt sollte der KV Oostende sein Heimspiel gegen den KSC Lokeren OV austragen. Von einem anfänglichem „na ja, besser als nix…“ entwickelte sich die Paarung vor allem dank des Austragungsortes doch noch zu einem klitzekleinen Highlight. War ein Besuch am Meer sowieso fest eingeplant, fand ich bei näherer Recherche über schöne Strände in der Nähe von Brügge heraus das die königliche Familie Oostende als seinen bevorzugten Badeort auserkoren hat. Na denne, wat für die Royals gut genug ist, sollte doch auch für die Salsiccia Crew passabel sein. Außerdem ist der KV Oostende überraschend Tabellenführer in der Jupiler Leauge, was bei dem verballerten Play-Off System in Belgien zwar quasi nix bedeutet, aber in Oostende dennoch für eine kleine Euphorie sorgte. So mussten personalisierte Tickets vorab über den Kundenservice geordert werden, was aber dank der freundlichen Dame vom Ticketcenter überhaupt kein Problem war.
In Oostende ca. 4 Stunden vor Anpfiff angekommen stellten wir den Wagen direkt am Stadion und gleichzeitig direkt am Strand ab. Da macht der Claim „Voetbal aan Zee“ mal wirklich Sinn.

Gemütlich spazierten wir die in die Jahre gekommen Promenade am Strand entlang und genossen bei einem leckeren „Brugse Zot“ das herrliche Wetter am Meer. Die teuren Restaurants ließen wir links liegen, füllten im Supermarkt unseren „Brugse Zot“ Vorrat auf (okay- eigentlich nur meinen) und machten es uns mit einer Pizza aus einer klitzekleinen Bude, auf einer gemütlichen Bank direkt am Meer bequem. Inklusive traumhaftem Blick auf den Sonnenuntergang. Das ganze vermutlich für 1/5 des Preises ca. 10m von uns entfernt. Herrlich die neidischen Blicke der vorbeihuschenden Radfahrer und Spaziergänger. Frei nach Sebastian Madsen: „Auf den billigen Plätzen sind die netteren Leute. Auf den kleinen Hochzeiten gibt’s die schöneren Bräute, ich schlafe lieber im Zelt als im teuren Hotel, die schönsten Dinge der Welt bekommt man (fast) ohne Geld.“

Die für uns hinterlegten Karten waren fix abgeholt, der neue (!!) ca. 20 qm (nein hier fehlt keine Null) kleine Fanshop des Tabellenführers war dann auch recht schnell durchwühlt, also hinein in das Albertparkstadion. Der 1934 errichtete Ground bietet 8125 Zuschauern (5125 Sitzplätze) Platz und wurde immer wieder sukzessive erweitert. Nach dem Aufstieg 2013 in das belgische Oberhaus kam noch eine Stahlrohrtribüne dazu, auf der wir Platz nahmen. So passt aktuell quasi keine Tribüne zur anderen, was dem Stadion aber durchaus Charme verleiht. Besonders schön das es zum Spielfeld hin keine Absperrungen gibt, sondern tatsächlich nur Werbebanden wie man es von heimischen Sportplätzen kennt. So konnten die heimischen Kids die Torhüter vom KV Ostende aus nächster Nähe beim warmmachen beobachten. Ingas fehlende Fußballkompetenz wurde übrigens instinktiv von den Knirpsen bemerkt, und die Arme mit einigen gezielten Ellenbogenchecks von Ihrem Platz an der Werbebande verdrängt. Das Beobachten des heimischen Torhüters „Ovono Didier“ war aber auch lohnenswert und ein absoluter ein Hammer. Ja, „Didddiiiiii“ machte sich warm, aber eigentlich war er eher damit beschäftigt sich nach jedem gehaltenen Ball einmal kurz zu den „Didiiiiii“ kreischenden Kindern umzudrehen, freundlich zu winken und den Daumen nach oben zu halten! Richtig cooler Typ… Daumen hoch!

Nun erwartet der Großteil der Leserschaft sicher zurecht einige Passagen über die Stimmung im Albertparkstadion. Nunja, die Gäste mit einigen Bussen angereist, bemühten sich zwar ein wenig, angekommen ist bei uns aber nichts. Die Heimtribüne war eher so das Schland Publikum, viele Familien, ab und an mal ein kleines Liedchen („Dale Cavese…“) organisierte Stimmung oder gar eine Ultra-Gruppe waren leider nicht auszumachen. Auf dem vorhandenen Vorsängerpodest kletterten nur die Ellenbogenkids vom Aufwärmen rum. Im Heimblock gab es noch ein Spruchband gegen Stadionverbote, wobei ich im kompletten Stadionumfeld niemanden gesehen habe dem ich auch nur im entferntesten ein solches Verbot zutrauen würde. Aber gut, wird leider seine Berechtigung gehabt haben.
Spielerisch war die 1. Halbzeit mal so richtig schlecht. Fehlpässe ohne Ende, sinnloses „Ball-ins-Aus-kloppen“, überflüssige Fouls, dat war mal garnix. Einziger Höhepunkt blieb „Didiiiiiii“ der alles und jedem bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen hochgestreckten Daumen präsentierte, herrlich. In der Pause gab es natürlich Fritjes aus der Stadioneigenen Frituur, selbstverständlich mit Samuari Sauce. In der 2. Halbzeit waren zumindest ein paar Torchancen zu bestaunen, während das allgemeine Niveau doch eher mau blieb, da hatte ich in der Regionalliga schon deutlich besser Kicks gesehen. Schlussendlich gewann der KV Oostende das Spiel mit 2-0, und grüßt weiterhin als Tabellenführer. „Didiiii`s “ hochgestreckter Daumen verabschiedete sich gefühlt von jedem der 7581 zahlenden Zuschauer persönlich und auch wir machten uns auf den Rückweg zum Auto.
Die nächsten Tage verbrachten wir bei weiterhin traumhaften Wetter im schönen Brügge, bis es am Sonntag zur WDR 2 Bundesliga Reportage zurück in die Heimat ging.

CR | Sektion Fritjes für Salsiccia

Fakten:
03.10.2015 | KV Oostende- KSC Lokeren OV 2-0
Stadion: Albertparkstadion Oostende
Wettbewerb: Jupiler Leauge, 10. Spieltag
Zuschauer/Gäste: 7581 7 ca.150)
Eintrittskarte: 15 € ermäßigt, Sitzplatz Gerade
Culinaria: Fritjes mit Samurai Sauce