Archiv der Kategorie '2. Quartal 2015'

Bordstein runter: NEONSCHWARZ

„Ich will sie dabei haben, Johnny.“
„Lassen sie mich einfach in Ruhe.“
„Was wollen sie tun? Hier in dieser schäbigen Wohnung sitzen und sich selbst bemitleiden, oder da raus gehen und ihr Land retten?“
„Ich werd‘ hier sitzen bleiben.“

„Klappt den Bordstein runter – Neonschwarz kommt in deine Stadt“

„Neonschwarz“ aus Sankt Pauli war an diesem Freitagabend zu Gast in der Stadt.
Die Protagonisten auf der Bühne, allesamt auch mit eigenen Projekten auf Solopfaden unterwegs, sind dem einen oder anderen sicherlich ein Begriff. Marie Curry, Johnny Mauser („Augen brennen“), DJ Spion Y und Captain Gips eint das gemeinsame Projekt „Neonschwarz“.
Die Hamburger, die von sich selbst sagen, „Zeckenrap“ zu machen, können mit ihren tiefsinnigen und meist politischen Texten überzeugen, die direkt und ohne Drumherum zu reden passende Worte zu den Zuständen in der Gesellschaft und diesem Land finden. Das ganze garniert mit einem 1a Sound.
2010 rief der Track „Flora bleibt!“ sogar die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Plan. Auch dieser Track gehörte am heutigen Abend natürlich zum Repertoire. Im gleichen Jahr erschien auch „On a journey“, absoluter Ohrwurm für den Sommer.

Los ging es so gegen 21:30h im kleinen aber feinen Schlachthof zu Kassel. Der Laden war quasi bis auf den letzten Platz gefüllt und die 4 legten direkt mit voller Kraft los. Zwischenzeitlich gingen noch Grüße an das örtliche, und recht neue, „AZ“ in Kassel. Das Publikum war gut drauf und bei Tracks wie „Unser Haus“ lieferte auch der Mob seinen Part vorbildlich ab. Ein „Refugees welcome“ Banner wurde gleich am Anfang gehisst. Am Ende gaben Mauser („Wir sind die Mauer. Das Volk muss weg“) und Gips jeweils noch einen Solotrack zum besten.
Nach dem Konzert blieb noch etwas Zeit für einen kurzen Plausch mit der Band und für eine Fotosession.
Für den Geschmack der anwesenden WBUC hätte der Sound noch ein paar Dezibel mehr vertragen, aber soll den Abend nicht schmälern, den die Crew noch bis spät in die Nacht bei frisch gezapften Pints ausklingen ließ. Cheers @ Däniel und Os.

Vier Haudegen mit Herz und Hirn, die mit Vorliebe linke Haken verteilen und Rap aus Hamburg wieder nach vorne bringen. Acht Fäuste für ein Hip Hop Hallelujah!

Ticket: 19.06.2015 | 21 Uhr | Kulturzentrum Schlachthof | Eintritt: 14/11 Euro

Salsiccia goes Maledivs

Nachdem im letzten Sommer Slowenien bereist wurde, sollte es dieses Jahr mit Sri Lanka und den Malediven deutlich exotischer werden.

Der grobe Reiseverlauf stand ca. 7 Tage vor Abreise, die meisten Unterkünfte waren gebucht, sodass die üblichen Plattformen nach evtl. Spielen abgesucht werden konnten. Doch die Suche gestaltete sich schwieriger als erwartet.

In Sri Lanka interessiert die Menschen nur Cricket, neulich verlor die Fußball Nationalmannschaft Ihr WM Qualifikationsspiel gegen den letzten der FIFA Rangliste Butan vor ca. 800 Zuschauern. Soviel also zum Stellenwert von König Fußball. Hier hat der Blatter Sepp wohl noch nicht ausreichend Bestech… ääh Aufbauhilfe geleistet.

Also mal die Malediven checken…Auf den Malediven gibt es nur ein richtiges Stadion, dass Rasmee- Dhandu Stadion mit 11 850 Plätzen in der Hauptstadt Malè. Bei nur einer Zwischenübernachtung vor Abreise auf unsere eigentliche Urlaubsinsel brach ich hier die Suche recht schnell ab und entschied es einfach auf Kollege Zufall ankommen zu lassen. Auf irgendeinem Bolzplatz sollten doch sicher ein paar Jungs und für das Kreuzchen im Informer von mir aus auch ein paar Mädels gegen die Lederkugel treten…

Auf Sri Lanka hatte ich leider Pech, außer an jeder Ecke Cricket spielender Jugendlicher war hier absolut nix zu machen…

Aber dann- die Ankunft auf den Malediven- was erblicken die müden Augen?! FLUTLICHT!!! Bääm, das einzige Stadion des Landes hatte seine Lichter für die Salsiccia Crew angeknipst, wie geil ist das denn?! Strahlten meine Augen beim Anblick der hell erleuchtet Masten, gingen Ingas Mundwinkel doch eher nach unten… Sollte ich tatsächlich übersehen haben das hier, genau heute Abend die Nationalelf ihr entscheidendes WM Quali Spiel absolviert, oder die Ozeanische Champions League ausgespielt wird, oder zumindest DAS Stadtderby Malè`s stattfinden sollte?

Nachdem mir weder auf der Fähre, noch auf der Taxifahrt, noch in unserem gruseligem Hotel („Football?! Yes, very good food here“ „Stadium?! Yes, yes you can wash here…“) jemand beantworten konnte welch unfassbarer Kracher hier heute Abend stattfinden sollte waren meine Ansprüche schon bei „naja, Hauptsache Ball, 2 Tore und 22 Spieler angekommen…“

Nachdem ich Inga davon überzeugt hatte das es nach 4 stündiger Busfahrt bei 35 Grad in Sri Lanka und 2 stündigem Flug von Columbo nach Malé völliger Blödsinn ist sich unbedingt duschen zu müssen, machten wir uns schnurrstracks zum Stadion auf… Malè ist eine der dich bevölkertsten Hauptstädte der Welt, hier leben 47.000 Menschen auf 1 Km² (!!!), dazu pro Bewohner ungefähr 3 Scooter, unfassbar voll und stressig das Ganze.

Um es kurz zu machen- Nach wahnsinnig anstrengendem gerenne durch die Stadt, waren die Flutlichter am Himmel plötzlich verschwunden, kein Licht mehr, nix, in dem Stadion fand heute garnix statt, die Masten wurden wohl nur zum Test, zur allgemeinen Belustigung oder einfach zum Ärgern des wohl einzigen Hoppers auf der Insel angemacht, ja leck mich doch…!

Nach dem Platzen des Traums vom Kreuzchen auf den Malediven, schlürten wir Richtung Night Market, und ich erblickte wieder kleine Flutlichter, innerlich dachte ich schon, „jajaa, jetzt wollen die dich komplett verars….“ Doch siehe da, der örtliche Futsal Verein PK Boduberu richtete sein alljährliches Turnierchen aus, immerhin.

Schnell noch auf dem Night Market ein bisschen was zu essen geholt, und ab auf die kleine schnuckelige Tribüne um zumindest 1-2 Spielchen zu gucken. Gespielt wurde im Modus jeder gegen jeden, Spielzeit 10 Minuten. Neben uns hatte sich sogar eine kleine Fangruppe positioniert, ausgerüstet mit einer kleinen Fahne. Nachdem die Jungs uns entdeckt hatten und vor allem meine Kamera, wurde richtig Gas gegeben. Natürlich kein Support, aber lustige Pöbeleien gegen die gegnerische Mannschaft, kleine Laola Wellen und ein paar Zwischenrufe.

Prahlte ich immer „leicht“ überheblich das ich in Ländern wie Costa Rica, Thailand und sicher auch auf den Malediven mit Abstand Rekordnationaltorhüter geworden wäre (hätte, hätte Fahrradkette…) wurde ich hier wohl endgültig eines besseren belehrt. Ich war absolut begeistert von den Aktionen der Keeper. Die stürzten sich mit voller Wucht auf den Sand- Kies- Schotter Belag, hechtetet in den Winkel und sprangen vor jeden einschussbereiten Stürmer. Alles natürlich in kurzer Buchse. Und unsereiner beschwert sich über einen Kunstrasen in nicht mehr ganz optimalem Zustand.

Während des Spiels gab es noch ein Feuerwerk, was ich natürlich direkt einer verrückten anrückenden Horde gewaltbereiter, hochmotivierter Maledivischer Ultras zuordnete. Kam aber leider nur vom angrenzenden Night Market. Obwohl ich mir nach wie vor nicht sicher bin, wurden sicher von der Maledivischen Polizei abgefangen, eingekesselt und direkt abgeführt, heheee…!

Nach 2 Spielen und 3 Toren machten wir uns satt und zufrieden wieder Richtung Gruselhotel.

So sollte ich doch noch in den Genuss eines kleinen fußballerischen Highlights kommen. Denn was zählt ist die Liebe zum runden Leder, egal ob im großen Stadion, oder auf dem kleinen Bolzplatz.

CR für Salsiccia

Fakten:
08.06.2015 | 22:00h |
Stadion: Estadio Futsalo Malè
Wettbewerb: Club PK Boduberu Futsal Challenge 2015
Zuschauer: 50
Eintrittskarte: Free Entry
Culinaria: Teigfladen (eher trocken)

„Kill all the white man“

Keine Ahnung warum, ab der NoFx-Klassiker avancierte zum Ohrwurm an diesem Abend – trotz grammatikalischer und inhaltlicher Mängel :-)
Stell‘ dir vor es ist „Just White“-Party des örtlichen Radiosenders, 30.000 gehen hin, und parallel dazu spielt eine deiner Lieblingsbands in derselben Stadt vor 300 Fanatikern.
Unschöne Szenen, die sich im Vorfeld des „Sondaschule“-Konzerts auf dem „Hessentag“ in Hofgeismar vor unseren Augen abspielten: Deutsche Partykultur in ihrer Reinform – warum dann noch nach Malle reisen, Fußball-WM ist auch nicht – aber da gibt es ja noch „Just White“.
Junggesellabschiede, Jugendefeuerwehren, Kegelclubs – you‘re welcome – not.
Positiv zu erwähnen ist eine Bratwurst vom Wildschwein (3€), die im Vorfeld des Konzerts die hungrigen Mägen füllte.

Ich weiß auch nicht was in den Köpfen der Organisatoren vorging als sie entschieden die angestaubten Alt-Spaß“rocker“ von den „Rodgau Monotones“ aus Südhessen mit den jungen, dynamischen:-) Jungs der „Sondaschule“ aus dem Westen der Republik zu kombinieren und diese dann in Zelt, mit einer Kapazität für rund 6.000 Zuschauer, zu stecken und dann noch 25 EUR Eintritt zu nehmen.
Gänzlich verschiedene Zielgruppen und bei diesem Tarif defintiv ein Grund zu verzichten. Absolut nachvollziehbar. Durch glückliche Fügungen kam ich den Besitz von Freikarten, sodass sich der Besuch als relativ kostenneutral darstellte.

Costa Cannabis wusste auch nicht so recht wie ihm geschah, als er sich vor Konzertbeginn nochmal unter den Mob mischte. Mittags hatten sie noch „Rock am Ring“ gerockt und jetzt der Kontrast in großem XXL-Zelt und eher magerem, dafür nicht weniger motivierten, Zuschauerspruch.

Irgendwann, kurz nach 22 Uhr, hatten die Monotones die Bühne geräumt und den Weg frei für die „Sondaschule“ gemacht bei einer ihrer Stationen der „Schön kaputt“ Sommertour und passend zum bevorstehenden Release des „Schön kaputt“ Albums.
Eins war schnell klar: Die anwesende „Sondaschule“-Meute war topmotiviert und gab alles um den Jungs den verpasstet FooFighters Auftritt bei RaR erträglich zu gestalten. Songs des neuen Albums fanden ein gesundes Mischverhältnis mit den alt bekannten Gassenhausern zu denen getanzt, gepogt und geklatscht wurde. Der Auftritt ließ keine Wünsche übrig. Die neuste Single Auskopplung mit dem Ohrwurm „Es gibt nur Dur – in Mülheim-Ruhr“ durfte natürlich auch nicht fehlen.
Nach dem Konzert hing die Band noch beim Merchstand ab, sodass noch Zeit für einen Schnappschuss mit der WBUC-Abordnung war.
Auf ein Abschlussgetränk verzichteten wir, um vor dem „weißen Partymob“ den Zug Richtung Heimat zu entern.

Ticket: 06.06.2015, Hessentag Hofgeismar, 25 EUR – Dank Stefanito kostenneutral. Gracias

„Homophobie im Sport“ mit jntlv

Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen –
Public Viewing und kritische Begleitung

„…Besonders interessant wird es dann am Donnerstag den 11.06.2015 mit einem Vortrag inklusive angeschlossener Diskussion von Jan Tölva zum Thema „Homophobie im Sport“ um 18.00 Uhr im K19.“

Wann: 06.06.2015
Wo: Kulturzentrum K19 in Kassel
Wer: https://jntlv.wordpress.com/
Link *klick*

Love A – „Jagd & Hund“ | Goldgrube

Spontane Ideen sind meist die besten.
So ging es kurzerhand mit weit angereistem Besuch in die Kasseler „Goldgrube“, wo die Band „Love A“ ihr Stelldichein gab.
„Du wünschst Dir Facetime mit Kathrin – ich wünsche mir meine Faust in Dein Gesicht.“
Bisher war mir nur diese Textzeile der Jungs bekannt – nicht mehr nicht weniger. Beste Voraussetzungen also, um völlig unbedarft neue Klängen in die Ohrmuschel dringen zu lassen.
Die kleine aber feine Location „Goldgrube“ dürfte dem „Mutter“-Publikum ein Begriff sein, für mich war es heute auch eine Premiere.
Das aktuelle Album der „Post-Punk“-Band aus Trier nennt sich „Jagd & Hund“, erschienen beim Punklabel „Rookie Records“.“ Casselfornia ist eine der Stationen auf der Tour zum Album.
Gegen 22 Uhr erklangen die ersten Töne von der Bühne. Vorband an diesem Abend war „Augen auf“ aus Hann. Münden, deren Schlagzeuger im Gedächtnis blieb, da er aufgrund eines Snowboardunfalls nur mit einem Arm und Hand aktiv sein konnte, was den 30-minütigen Auftritt aber nicht schmälerte.
Wer sich von durchaus etwas ungewöhnlichen Namen (vormals: „Love Academy“) nicht vom Konzertbesuch abschrecken ließ, erlebte einen 1a-Auftritt der Jungs um Frontman und Sänger Jörkk. Es fällt mir wahrlich schwer den Musikstil zu beschreiben. Irgendwo hatte ich mal folgendes Zitat eines Bandmitglieds gelesen, was es ziemlich gut trifft: „Zu poppig für die Punker, zu punkig für die Indiedisko, aber trotzdem ganz gut“.
Das Flaschenbier aus dem Hause „Warburger“ schmeckte auch und während des Konzert ließ es sich unsere Reisegruppe nicht nehmen der Band auf ausdrücklichen Wunsch Wodka zu reichen. Gern geschehen. „Nastrovje!“
Die rund 100 Gäste konnten um Mitternacht auch Jörkks 40. Geburtstag [Korrektur Jörkk: „38, du Penner“ – sorry] mit einem kleinen „Happy Birthday“ beiwohnen.
Das treue und durchaus enthusiastische und vor allem textsichere Publikum dankte der Band für einen klasse Auftritt an diesem Abend und es waren einige anwesend, die „Love A“ bereits bei ihrem ersten Auftritt im „A.R.M.“ gesehen hatten.

Ticket: 25.04.2015, Goldgrube Kassel, AK 10 EUR – schickes Hardcoverticket


Vodka-Break


Jörkk


„Augen auf!“

Κύπρος | Zypern | Θύρα 39

coming soon…

Areas of London


source: flowingdata.com *klick* bigger size

Hallenser Hallotri

Auf dem Weg „fehlende“ Stadien der 3. Bundesliga zu besuchen, kam die Partie von „Chemie Halle“ am Ostersamstag gegen den SC Preußen Münster gerade recht.
Die A38 leer gefegt wie immer, sodass ohne zeitliche Probleme das Fahrzeug beim Netto am Böllberger Weg abgestellt wurde. Eine Münsteraner Bullibesatzung kurvte im 9er auch noch umher, auf der Suche nach einem Parkplatz, da sie offensichtlich (freiwillig oder unfreiwillig) eine andere Parkmöglichkeit als den Gästeparkplatz suchte. Der Großteil des Preußen-Anhangs wählte die Anreise mit dem (Sonder-)Zug.
Der zeitliche Druck kam erst auf als ich die Schlange am einzig geöffneten Kassenhäuschen erblickte, die eine beachtliche Länge -rund 30 Minuten vor Anpfiff- aufwies. Das sonnige, wenn auch kalte, Wetter hatte wohl mehr Hallenser als erwartet vom Sofa ins Stadion gelockt. Pünktlich zum Anpfiff im Stadioninneren zu sein rückte in weite Ferne. Durch glückliche Fügungen konnte ich Jemandem seine überzählige Karte abkaufen und für 20 EUR auf der Haupttribüne Platz nehmen. Beste Sicht auf Heimkurve und Gästesektor inklusive.

Der jetzige „ERDGAS Sportpark“ dürfte zwar reichlich wenig mit dem „Kurt-Wabbel-Stadion“ (KWS) gemeinsam haben, dennoch ist es gelungen das neue Stadion, welches, isoliert betrachtet keinen besonderen Charme versprüht, in die Grundmauern und Torbögen (Denkmalschutz) des alten, 1936 erbauten, KWS „einzubetten“, was insbesondere auf den jeweiligen Hintertorseiten sehr schön zur Geltung kommt.

Auf Seite der Preußen war der Gästeblock gut gefüllt. Kurz vor Anpfiff wurden Fahnen in den Vereinsfarben des SCP06 ausgeteilt, was eine Minute nach Beginn ein simples, aber schickes, dreifarbiges Bild abgab. Dazu wurde lautstark mit dem Support begonnen.

Auf Seite der HFC-Fankurve gab es ein Spruchband, was die Abschaffung des Sicherheitszuschlags zum Thema hatte, den die Stehplatzbesucher für dieses Spiel zahlen mussten. Zur 2. Halbzeit gab es ein Spruchband mit dem eindeutigen Inhalt „Keine Solidarität mit Red Bull“, garniert mit „Wir wollen keine Bullenschweine“- sowie „Scheiss Red Bull“-Gesängen. Vor dem Spiel drehte ein übergroßer Biber (?!) seine Runde – der „Hallotri“, das Maskottchen des HFC. Der in den Schlachtrufen und auf vielen Zaunfahnen noch vielerorts präsente Zusatz „Chemie“ wurde 1991 offiziell aus dem Vereinsnamen gestrichen.

Halle bildet in Sachen Fanfreundschaft ein Dreierbündnis mit Lok Leipzig und Erfurt. Eine Lok-Fahne hing auch während des Spiels auf der Gegengerade, ein Indiz dafür, dass die Freundschaft auf breiter Basis getragen wird und es sich nicht nur um ein Bündnis zwischen einzelnen Gruppen handelt.
In Sachen Zaunfahnenkultur kann sich sich sicher so mancher Erst- und Zweitligist eine Scheibe abschneiden. Auch in Halle findet man eine Vielzahl gelungener Exemplare, die ein schönes Kurvenbild abgeben. Über allem thront mächtig eine XXL-“HFC Fankurve“-Fahne. Stimmungskern mit Trommel und Fahnen ist ganz klar bei der „Saalefront“, die sich mittig hinter dem Tor platziert hat.

Die Kurve der Preußen ist hierzulande sicher einer der „Vorreiter“ in vielen Dingen. Schon früh, zu Zeiten der Curva MS, verzichtete man auf jegliche Art der digitalen Selbstinszenierung in Form von Website, Blog o.ä.. Später erlangte man dann durch die für viele neuartige Spaltung der aktiven Fanszene überregionale Bekanntheit – was in anderen Ländern (insb. Frankreich) bereits Gang und Gäbe war und ist. Man erfährt von den Münsteranern nach wie vor recht wenig in den bekannten Postillen. Rein vom Gefühl her wirkte die Situation im Gästeblock auf den Außenstehenden gemäßigt bzw. konstruktiv. Sowohl beim Fahnenintro als auch den Gesängen -es waren zwei Vorsänger auf dem Zaun- wurde gemeinsam an einem Strang gezogen und nicht gegeneinander gesungen oder agiert. Wenngleich sich optisch klar 2 Stimmungskerne herauskristallisieren – auf der einen Seite „Deviants“/Sektor M und daneben die Gruppen der Fiffi-Gerritzen-Kurve (Ex-Block O) , allen voran die Fahne der „Gruppo Resistente“, die einen echten Blickfang darstellt.

Da für die Gäste ausschließlich der Stehplatzbereich vorgesehen war, gab es hier auch kaum Möglichkeiten den Abstand zwischen den beiden Standorten zu vergrößern.
Nach der Auflösung der Curva MS, dem „Überbau“ für viele Gruppen, nach Verlust der Zaunfahne in 2011, rückten die vielen kleinen Gruppen der Preußenkurve wieder verstärkt in den Fokus: Kategorie Münster, Lunatics, Preussen Fighters, Punzengarde und wie sie alle heißen.

Im Gepäck der Deviants befanden sich in meinen Augen zwei sehr gelungene, stilvolle Doppelhalter. Ein klarer Beweis dafür, dass gut gemachte und bewusst eingesetzte Doppelhalter absolut ihre Berechtigung haben, nachdem sie in der deutschen Ultra‘-Landschaft -so zumindest mein Eindruck- fast weitestgehend durch Schwenker ersetzt wurden, obwohl sie eine Zeit lang aus den deutschen Kurven kaum wegzudenken war, da es oft sehr statisch oder emotionslos, so die Kritiker, wirkte. Die Deviants, befreundet mit den Ultras aus Bordeaux, positionieren sich klar antirassistisch, antihomophob und antisexistsisch, was für andere zu dogmatisch oder „politisch“ ist und mittlerweile ein bekanntes (Spaltungs-)Thema in den deutschen Fankurven darstellt.
In der Art des Supports ließ sich heute kein Unterschied ausmachen. Das Liedgut beschränkte sich eher auf einfachere, nicht sehr textlastige Gesänge.

Während des Spiel präsentierte Halle einen Preußen-Pulli am Zaun sowie 3 schwarz-grün-weiße Schals. Im Gästeblock hing ein erbeuteter, roter HFC-Seidenschal am Zaun.

Sportlich spricht das 3-0 für die Hausherren eine klare Sprache. Da fiel es auch nicht so ins Gewicht, dass Preußen-Keeper Schulze-Niehues in der 77 Min. einen Elfer verursachte, mit „rot“ vom Platz gestellt wurde und durch den Elfer das dritte Tor für den HFC fiel. Den georgischen Torschützen Akaki Gogia wird man zukünftig sicherlich höherklassig kicken sehen. Auf jeden Fall immer wieder schön altgediente Bundesliga-Kicker überraschend auf dem Spielberichtsbogen zu entdecken. Diesmal waren es Ivica Banovic und Marco Engelhardt.

Kulinarisch kann das Kurt-Wabbel-Stadion nur bedingt überzeugen. Für den Kauf einer 3 EUR Frikadelle aka Bulette benötigt man eine 5 EUR Bezahlkarte (2 EUR Pfand), die man umständlich nach Spielende an lediglich einem Kiosk umtauschen muss. Bezahlkarten sind an sich schon unnötig, bei überschaubaren Zuschauerzahlen, wie sie hier an der Tagesordnung sind (heute: 7.498 Zuschauer), erst recht. Immerhin: Die Frikadelle schmeckte eher nach Metzger als nach 0815-Catering und konnte somit Pluspunkte sammeln. Punkten konnte ebenfalls das Stadionheft für 1,50 EUR mit dem treffenden Namen „Chemiker“.

Fakten:
04.04.2015 | 14:00 | Hallescher FC – SC Preußen Münster 3-0
Stadion: Erdgas-Sportpark
Wettbewerb: 3. Bundesliga 2014/2015
Zuschauer: 7.498 (Kapazität: 15.057) / Gäste: ca. 900
Eintritt: 21 EUR, Sitzplatz Haupttribüne
Culinaria: Bulette 3 EUR